Neuer Ansatz – und läuft Wie Andre Köttner den DWS Vermögensbildung I in die Spur brachte

Andre Köttner managt den DWS Vermögensbildungsfonds I seit dem 22. Februar 2013 | © Tom Hönig

Andre Köttner managt den DWS Vermögensbildungsfonds I seit dem 22. Februar 2013 Foto: Tom Hönig

Der Vergleich mit der Konkurrenz legt nahe, dass Andre Köttner etwas bewirkte. Im Februar 2013 wechselte er von Union Investment zur DWS und übernahm dort von Klaus Kaldemorgen den Flaggschifffonds DWS Vermögensbildungsfonds I (ISIN: DE0008476524). Etwas mehr als ein Jahr später hatte er im Zwölfmonatsvergleich seine Konkurrenz im Durchschnitt geschlagen, und das sollte auch erstmal eine Weile so bleiben. In der Grafik unten haben wir Mehr- und Minderertrag gegenüber der Vergleichsgruppe bei Morningstar in Prozentpunkten abgetragen.

Im Fünf-Jahres-Vergleich liegt Köttners Fonds bei 20 Prozent. Das heißt, dass nur 20 Prozent der rund 1.100 Konkurrenzprodukte besser abgeschnitten haben. Über zehn Jahre sieht es nicht so gut aus, da sind es 55 Prozent. Was war also passiert?

Seine stärkste Zeit hatte der DWS Vermögensbildungsfonds I, als sich Fondsmanager Klaus Kaldemorgen um die Jahrtausendwende nicht an der Hightech-Spekulation beteiligte. Doch auch unter Andre Köttner schneidet er wieder gut ab (Quelle: Morningstar, eigene Berechnung)

Kaldemorgen und Köttner gehen unterschiedlich an die Sache heran. Ersterer blickt gern von oben auf die Märkte und ihre großen Trends (Top-down-Ansatz). Er versucht sich an Markt-Timing und fährt  Währungsmanöver. Doch mit diesem Ansatz bekam er direkt nach der Finanzkrise ab 2009 Probleme (wie übrigens viele andere Top-down-Manager auch). Denn die Zentralbanken hatten mit ihrer Geldpolitik (besser: Geldschwemme) die Hoheit über die Aktienmärkte übernommen. Makrodaten fielen dadurch weniger ins Gewicht – ungünstig, wenn man sich also nach ihnen richtete.

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Seit 2009 war Kaldemorgen vorsichtig unterwegs und setzte auf klassisch defensive Branchen wie Telekoms und Energieversorger und eine hohe Barreserve. Das ist angesichts der damals enorm wackeligen Wirtschaft nachvollziehbar. Allerdings setzten die Zentralbanken die Aktienmärkte auf (Geld-)Droge, und die offensiver aufgestellte Konkurrenz zog an Kaldemorgen vorbei.

Anders Köttner. Zu seinem Ansatz heißt es von der DWS: „Er ist in der Regel voll in Aktien investiert und verfolgt einen Bottom-up-Ansatz, das heißt die Auswahl der einzelnen Unternehmen nach fundamentalen Kriterien steht im Vordergrund.“ Das war unter der Knute der Zentralbanken der bessere Ansatz. Anleger gierten nach Unternehmen, die wuchsen und finanziell gut und sicher dastanden. Köttner hatte sie – und brachte den Fonds nach vorn.

Auch heute hat er mit der Google-Mutter Alphabet (4,4 Prozent), Samsung (2,6 Prozent) und Apple (2,3 Prozent) drei Wachstumswerte in den Top 5 des Portfolios. 177 Positionen sind es derzeit insgesamt.

Seine stärkste Zeit hatte der Fonds direkt in den Crash-Phasen 2000 bis 2003 und 2008. Wäre ein neuer Absturz nicht etwas Feines, um wieder ganz nach vorn zu kommen? Bei der DWS winkt man ab: „Der Fonds geht kontrolliert Risiken ein. Es wird nicht passieren, dass er in einem Jahr ganz oben oder ganz unten steht. Ziel ist es, sukzessive ein bisschen besser zu sein und damit über zehn Jahre zu den besten zu gehören.“ Diesem Ziel ist Köttner zweifellos sehr nah.