Neues aus dem BlackRock-Blog „Künstliche Intelligenz könnte nach und nach Jobs in der Finanzbranche kosten“

Mobil gesteuerter Pkw in Berlin-Tempelhof: Der Megatrend „Automatisierung“ macht auch vor der Autobranche nicht halt. | © Getty Images

Mobil gesteuerter Pkw in Berlin-Tempelhof: Der Megatrend „Automatisierung“ macht auch vor der Autobranche nicht halt. Foto: Getty Images

Der technologische Wandel ist Fluch und Segen gleichermaßen. Auf der einen Seite erleichtern Roboter das Leben im Alter, macht künstliche Intelligenz Maschinen noch produktiver und sorgen Geräte und Technologien für Freiräume und Entlastung im Alltag. Einigen Innovationen – wie dem automatisierten Fahren – wird von zahlreichen Experten keine große Zukunft zugetraut, etwa weil der Mensch dabei die Kontrolle völlig an die Technik abgibt und zudem die emotionale Befriedigung beim aktiven Fahren eines schicken Sportwagens gegen einen Erfolg dieser Technologie auf breiter Front spricht.

Bei solchen Vorhersagen sollte man allerdings nicht vergessen, dass die Liste technologischer Fehlprognosen lang ist. So trauten viele dem Internet lange Zeit nicht das Zeug zum Massenmedium zu. Oder erinnern wir uns an die legendäre Fehleinschätzung des deutschen Ingenieurs, Konstrukteurs und Industriellen Gottlieb Daimler aus dem Jahr 1901: „Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird die Marke von einer Million nicht überschreiten, schon aus Mangel an genügend Chauffeuren“. Ganz klar: In zehn bis zwanzig Jahren werden wir es meiner Meinung nach zumindest mit vollautonom fahrenden LKWs zu tun haben – eine erhebliche Kosteneinsparung für Unternehmen.

Andererseits gibt es auch Schattenseiten des Wandels. Gerade einfache Tätigkeiten werden mehr und mehr durch Maschinen ersetzt – viele Arbeitsplätze gehen dadurch verloren. So ist etwa seit dem Jahr 2000 die Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe in den USA um annähernd 30 Prozent gesunken. Hier befinden wir uns wohl erst am Anfang eines Trends, denn alleine mit den heute vorhandenen Technologien könnten bereits jetzt rein theoretisch 45 Prozent des vorhandenen Arbeitsvolumens ersetzt werden.

„Robo-Advisor revolutionieren Finanzbranche“

Zudem beschränken sich die Folgen des technologischen Wandels nicht nur auf die Industrie und den Alltag. Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz könnten sich nach und nach auch auf besser bezahlte Bürojobs in Dienstleistungsbereichen, etwa in der Finanzbranche auswirken. Ein prominentes Beispiel sind die Robo-Advisor in der Asset-Management-Branche.

Länder, deren volkswirtschaftliches Geschäftsmodell stark auf günstigen Löhnen basiert (Mexiko und China sind hier nur zwei Beispiele), sind vom technologischen Wandel wohl besonders betroffen. Aufgrund des technischen Fortschritts verlieren diese Standorte wohl nach und nach ihren Wettbewerbsvorteil, wenn einfache Tätigkeiten aus Kostengründen durch moderne Technologien ersetzt werden. Sollte diese Ländergruppe nicht rasch in großem Umfang mehr in Bildung und Forschung investieren, um diesen Verlust aufzufangen, ist die Gefahr von gesellschaftlichen Verwerfungen deutlich erhöht.

Verständlich also auch, dass der technologische Wandel zusammen mit der Globalisierung bei vielen Menschen Zukunftsängste auslöst. Steter Wandel und Zukunftsängste sind dabei an sich keine neuen Phänomene: Dampfmaschinen ersetzten beispielsweise in der industriellen Revolution Textilarbeiter und Pferde. Mit dem großen Unterschied, dass Pferde nicht zur Wahl gehen, Menschen hingegen schon. Und wenn populistische politische Kräfte die Nachteile des technologischen Wandels für sich zu nutzen wissen, steht uns möglicherweise eine Welt mit mehr Abschottung und weniger Handel bevor. Um das zu verhindern bedarf es eines neuen Gesellschaftsvertrags, der sich durch Umverteilung um die Verlierer des Wandels kümmert.

Aber auch ohne Populisten könnte sich die Globalisierung des Handels – vor allem im Bereich der verarbeiteten Produkte – von ganz alleine zurückdrehen. Ob eine Maschine zum Beispiel Textilien in China oder den USA produziert, macht keinen großen Unterschied, wenn die Produktion komplett automatisch läuft. Warum also nicht gleich dort produzieren, wo konsumiert wird?