Neues aus dem BlackRock-Blog Nächste Etappe Frexit?

Französische Fans beim Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft in Paris am 10. Juni 2016. In Politik und Wirtschaft haben es die Franzosen aktuell nicht leicht. (Bild: Getty Images)

Französische Fans beim Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft in Paris am 10. Juni 2016. In Politik und Wirtschaft haben es die Franzosen aktuell nicht leicht. (Bild: Getty Images)

// //

Die Franzosen haben schwierige Zeiten hinter sich. Ihr Land hat aufgrund der Globalisierung in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Zudem sortierten sie einige europäische Nachbarländer infolge der Eurokrise in das Lager der reformunwilligen Verlierer ein.

Kein Wunder also, dass die Franzosen im Jahr 2012 mit François Hollande einen Präsidenten gewählt haben, der ihnen versprach, alles beim Alten zu belassen. Die 35 Stunden-Woche sollte keinesfalls in Frage gestellt und die neoliberale Besserwisserei der Deutschen ignoriert werden. Dieses Versprechen hat Hollande nicht ganz gehalten. Er ist deshalb inzwischen auch der unbeliebteste Präsident in der Geschichte der fünften Republik Frankreichs.

Frankreich verliert den Glauben an Europa

Hinzu kommt, dass das französische Wirtschaftswachstum seit Jahren hinter dem EU-Durchschnitt zurückbleibt, Arbeitslosigkeit sowie Staatsverschuldung steigen und radikale Kräfte am Werk sind. Frankreich, eines der Gründungsmitglieder der EU und traditionell einer der größten Unterstützer des europäischen Gedankens, droht aktuell in den Euro-Skeptizismus abzugleiten. Jüngste Umfragen zeigen, dass die Ablehnung gegenüber der EU inzwischen größer ist als in Großbritannien – und das will schon etwas heißen. Ist Frankreich also auf Abwegen unterwegs? Droht ein Austritt aus der EU, der sogenannte Frexit?

Auf den ersten Blick besteht in Frankreich im Moment wenig Grund für Optimismus. Die von der Regierung geplante Arbeitsmarktreform, die endlich mehr Beschäftigung ermöglichen würde, droht an Protesten der Bevölkerung zu scheitern. In Meinungsumfragen zeichnet sich ab, dass europafeindliche Rechtspopulisten in der für April und Mai 2017 anstehenden Präsidentschaftswahl eine maßgebliche Rolle spielen werden. Zudem ist das Land nach den islamistischen Terroranschlägen des vergangenen Jahres nach wie vor tief verunsichert.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Wir sind dennoch zuversichtlich für Frankreich. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens scheint die französische Regierung fest entschlossen, die angestrebte Arbeitsmarktreform wirklich durchzusetzen. Damit würde sie ein Zeichen setzen und den Weg für neue, weitergehende Reformen unter der nächsten Regierung bereiten. Aktuell flauen die Proteste von Gewerkschaften und Studenten etwas ab. Sollte Frankreich das oft zu hörende Vorurteil der Reformunfähigkeit am Ende widerlegen, wäre dies ein starkes Zeichen zur Vertrauensbildung.

Zweitens dürfte ein Vertreter der republikanischen Partei (der früheren UMP) die Präsidentschaftswahl 2017 gewinnen. Marine Le Pen, Spitzenkandidaten des rechtspopulistischen Partei Front National (FN), wird es zwar wahrscheinlich in die zweite Runde schaffen. Dass sie auch die Stichwahl am 7. Mai gewinnt, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Immer wieder in der jüngeren Vergangenheit haben Wahlen gezeigt, dass die Franzosen zwar mit ihrer Stimme für den FN in der ersten Runde ein Protestsignal setzen wollen, aber davor zurückschrecken, der Rechtspartei und ihren Vertretern dann in der Stichwahl tatsächlich politische Mandate anzuvertrauen.

Der Meistertitel muss her

Drittens ist es nicht undenkbar, dass Frankreich die Fußball-Europameisterschaft gewinnt. Ein Sieg würde dort eine Welle beispielloser Euphorie auslösen. Dieses gesellschaftliche, alle Schichten und Ethnien integrierende Erfolgserlebnis könnte tatsächlich helfen, die tief gespaltene Nation wieder zu vereinen und sie daran erinnern, dass auch regionale Mittelmächte über großartige Perspektiven verfügen.


Den BlackRock-Blog und weitere Informationen finden Sie hier.