Neues aus dem BlackRock-Blog Öl - vom schwarzen Gold zum Ladenhüter?

Arbeiter auf einer Öl-Bohrinsel im Niger-Delta. Der niedrige Ölpreis könnte eine zusätzliche soziale Destabilisierung mit sich bringen. (Foto: Getty Images)

Arbeiter auf einer Öl-Bohrinsel im Niger-Delta. Der niedrige Ölpreis könnte eine zusätzliche soziale Destabilisierung mit sich bringen. (Foto: Getty Images)

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In der vergangenen Woche fielen die Rohölpreise auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Viel deutlicher als der Rückgang der Nachfrage ist allerdings das seit Monaten bestehende Überangebot am Ölmarkt für den Preisrutsch verantwortlich. Im Gegensatz zu früheren Phasen stark fallender Ölpreise beobachten wir nämlich seit geraumer Zeit ein ungewöhnliches Phänomen: Die OPEC-Länder haben ihr Fördervolumen angesichts des Preisverfalls nicht gedrosselt, um den Preis zu stützen. Dies werten Marktteilnehmer zu Recht als Strategiewechsel beziehungsweise als Kampf um Marktanteile, weshalb die Preise auf Talfahrt bleiben.

Ein Ende des Preissturzes scheint derzeit nicht absehbar. Da allerdings Preise erreicht sind, zu denen sich das Angebot irgendwann zwangsläufig reduzieren wird, bleibt allein die Frage, wann die Bodenbildung beim Ölpreis einsetzt. Da jedoch aufgrund der Überproduktion der letzten Monate viele Öltanker vollbeladen auf den Weltmeeren „umherschippern“, müssen diese Reserven wohl erst abgebaut werden, bevor eine Erholung des Ölpreises auf breiter Front einsetzen kann. Somit dürfte Öl bis auf weiteres sehr günstig bleiben, wobei der niedrige Preis je nach Perspektive Fluch oder Segen ist.

Soziale Destabilisierung wird wahrscheinlicher

Die Logik dabei ist simpel. Während etwa die USA die ungewohnte Erfahrung machen, dass ein schwächerer Ölpreis nicht mehr ausschließlich positiv für die eigene Wirtschaft ist, profitieren klassische Netto-Ölimportländer erheblich vom niedrigen Ölpreis. Wir sorgen uns jedoch nicht allzu sehr um die US-Wirtschaft, die das Schwächeln der in den letzten Jahren stark gewachsenen Ölindustrie im eigenen Land dank eines robusten Binnenkonsums verkraften dürfte, sondern eher um die Effekte, die der niedrige Ölpreis in ohnehin politisch instabilen Regionen dieser Erde auslösen könnte.

Ein niedriger Ölpreis bringt unter anderem Ölförderländer im Mittleren Osten in akute Geldnot, sodass Ausgabenkürzungen folgen müssen, da die Devisenreserven beim jetzigen Ausgabenverhalten nicht lange ausreichen werden. Wir wollen keine zusätzliche soziale Destabilisierung heraufbeschwören. Wahrscheinlicher geworden ist sie leider dennoch. Hierin liegt unserer Ansicht nach die größte Gefahr des niedrigen Ölpreises.

Die Aktienkurse fallen derzeit, obwohl ein sinkender Ölpreis global betrachtet ein Konjunkturpaket für die Weltwirtschaft darstellt, weil Sorgen vor einer dennoch schwächelnden Weltkonjunktur überwiegen. Hinzu kommt, dass Wertpapierverkäufe etwa von Staatsfonds der Ölförderländer mitunter für spürbaren Verkaufsdruck an den Märkten sorgen. Insofern sollte die heftige Bewegung der Kurse auch nicht vorschnell als irrational betitelt werden!

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