Nick Edwardson über den Kames Global Diversified Income Fund „In Krisenfällen verfügen wir über einen großen Werkzeugkasten“

Nick Edwardson, Investment-Experte bei Kames Capital: „Fondsmanager müssen bereit sein, auch einmal exotische Pfade einzuschlagen“ | © Kames Capital

Nick Edwardson, Investment-Experte bei Kames Capital: „Fondsmanager müssen bereit sein, auch einmal exotische Pfade einzuschlagen“ Foto: Kames Capital

Herr Edwardson, die Volatilität ist zu Jahresbeginn deutlich gestiegen. Was sind die Gründe?

Nick Edwardson: Im Januar und Februar wurde es etwas wackelig, da haben Sie Recht. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen um 30 Basispunkte, an den Aktienmärkten wurde ausverkauft. Hinzu kamen politische Risiken wie die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium in den USA, die andauernden Brexit-Verhandlungen und später noch die Regierungskrise in Italien. Viele Investoren waren darauf überhaupt nicht gefasst.

Wie gefährlich ist die Italien-Krise für die Finanzmärkte?

Edwardson: Das wird sich noch zeigen. Bis ein Land wirklich die Eurozone verlässt, muss viel passieren. Da gibt es Meilensteine, die Anleger beachten sollten. Der Kames Global Diversified Income Fund ist nicht stark in Italien investiert, von daher droht kaum Gefahr.

Wahrscheinlich spielen auch Medien bei der Bewertung von Krisen eine wichtige Rolle.

Edwardson: Genau, Medien relativieren oder verstärken die Gefahren politischer Ereignisse. Denken Sie nur an die Zeit nach der letzten Bundestagswahl in Deutschland: Die Regierungsbildung hat lange gedauert, woraufhin Journalisten bereits Gefahr für die Finanzmärkte witterten. Letztlich hat die Wirtschaft aber nicht einen Kratzer davongetragen. Ein Blick auf einen Börsenchart des Jahres 2017 zeigt, dass politische Wahlen generell keine nennenswerten Kursschwankungen ausgelöst haben.

Was spricht in dem unsicheren Marktumfeld für Multi-Asset-Fonds?

Edwardson: Volatilität ist nicht immer schlecht, sie bietet sowohl Chancen als auch Risiken. Das gilt für alle Fonds – auch reine Aktien- und Anleiheprodukte. In Multi-Asset-Strategien ist der Werkzeugkasten, mit dem Fondsmanager arbeiten, aber größer. Es gibt sozusagen eine breitere Schaltfläche für Krisenfälle. Durch Diversifikation und eine clevere Kombination von Strategien kann das Risiko deutlich gesenkt werden. Dabei spielen Korrelationen zwischen Anlageklassen eine wichtige Rolle. Bei Kames Capital berechnen wir kontinuierlich Szenarios und versuchen, valide Vorhersagen zu treffen.

Wie managen Sie im aktuellen Marktumfeld das Verlustrisiko?

Edwardson: In erster Linie durch konstante Makroanalysen. Wir verfolgen bis ins letzte Detail, was an den Märkten passiert.

Einige Experten sind der Meinung, dass gegenläufige Korrelationen, die Multi-Asset-Fonds in die Karten spielen, nicht mehr länger im bekannten und bewährten Umfang gelten. Welche Meinung vertreten Sie?

Edwardson: Ich stimme absolut zu. Vergangenen Februar kam es parallel zu einem Ausverkauf an den Aktien- und Anleihemärkten. Investoren hatten eine schwere Zeit. In solchen Phasen hilft nur strikte Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Strategien. Der Kames Global Diversified Income Fund ist das beste Beispiel. Wir halten in dem Fonds beispielsweise Real Estate Investment Trusts, sogenannte REITs. Experten gehen schon lange davon aus, dass die Wertpapiere in Zeiten steigender Zinsen tendenziell verlieren. Unsere REITs – auch in den USA – haben aber während der vergangenen Zinsschritte der US-Notenbank Federal Reserve immer gewonnen.

Woran liegt das?

Edwardson: Wir wählen Wertpapiere sehr sorgsam aus. Fondsmanager müssen bereit sein, auch einmal exotische Pfade einzuschlagen und neue Chancen zu erkennen.

In welcher Weltregion sehen Sie aktuell Investment-Chancen?

Edwardson: Die USA bieten hervorragende Wachstumschancen – trotz langsam steigender Zinsen.