Nischen So funktioniert Mikro-Wohnen

Nischen: So funktioniert Mikro-Wohnen

// //

Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft. In der Science-Fiction-Komödie aus dem Jahr 1989 hat der chaotische Wissenschaftler Wayne Szalinski ein Gerät erfunden, mit dem man Dinge verkleinern kann. Aus Versehen schrumpft er seine Kinder auf die Größe von Gummibärchen.

Auch wenn es auf dem Immobilienmarkt nicht ganz so dramatisch zugeht, könnte man trotzdem meinen, Szalinski sei auch hier unterwegs. Denn immer mehr Investoren und Projektentwickler kaufen und bauen Wohnungen derzeit bevorzugt in geschrumpftem Format: als Mikro-Apartment. Das sind kompakte, voll ausgestattete Zimmer mit 20 bis 30 Quadratmetern Größe, die für eine bestimmte Zeit vermietet werden. Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer: alles in einem Raum. Ihre Beliebtheit hat einen einfachen Grund. Die Nachfrage nach diesen kleinen, am besten zentral gelegenen Wohnungen ist hoch, denn noch nie gab es so viele Studierende und Pendler wie aktuell. Das Angebot an Ein- und Zweizimmerapartments ist knapp und wächst nur langsam. Trotzdem liegt der Schwerpunkt im Wohnungsbau derzeit immer noch auf Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen. Dieser enorme Nachfrageüberhang macht das Segment für Projektentwickler, Betreiber und Investoren enorm spannend.

Nachfrage ist und bleibt hoch Wir sehen nicht nur kurz-, sondern auch mittel und langfristig einen hohen Bedarf an kleinen Wohnungen, denn er wird von verschiedenen Faktoren und Trends getriggert: Von einem Zuzug in die Metropolen, mehr Singles, einer zunehmenden individuellen Mobilität und der steigenden Zahl von Studierenden: Von jedem Abiturjahrgang wechseln heute rund 50 Prozent an eine Universität oder Fachhochschule – früher war es nur etwa ein Viertel der Schulabgänger. Hinzu kommen mehr als 340.000 junge Menschen aus dem Ausland. Mit rund 2,8 Millionen Studentinnen und Studenten zählt Deutschland inzwischen zu den fünf beliebtesten Studienzielen weltweit.

  • Hierzulande gibt es etwa zwei Millionen Pendler, die wochentags nicht aus dem Büro nach Hause fahren, sondern montags bis freitags in einer anderen Stadt leben.
  • Wesentliche Nachfrage nach kleinen Wohneinheiten, insbesondere in den Metropolen, kommt von Alleinlebenden: In Hamburg besteht inzwischen jeder zweite Haushalt aus nur einer Person – Tendenz steigend.
  • Wir werden mobiler, sowohl im Berufsleben als auch privat. Neben den begehrten Großstädten wie München, Berlin und Hamburg wächst insbesondere in Schwarmstädten wie Leipzig, Heidelberg, Regensburg, Jena, Kiel und Trier der Anteil der jüngeren Bevölkerung rasant. Der Grund für den Umzug in begehrte Städte liegt unter anderem darin, dass es in vielen ländlichen Gebieten mittlerweile zu wenig attraktive Freizeit- und Kulturangebote gibt – insbesondere für junge Menschen.