Norman Boersma: „Ich lernte auf die harte Tour“

Norman Boersma, Manager des Aktienklassikers Templeton Growth Fund

Norman Boersma, Manager des Aktienklassikers Templeton Growth Fund

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Wie sind Sie in die Asset Management Branche eingestiegen?

Norman Boersma:
Nach meinem College-Abschluss Anfang der 1980er Jahre sah es auf dem Arbeitsmarkt ziemlich düster aus. Also fing ich zunächst in der Elektronikfirma meines Vaters an. Nach meinem ersten Arbeitsjahr verkaufte er das Unternehmen an Hewlett-Packard. Nicht meinetwegen, soviel ich weiß.

Nach der Übernahme arbeitete ich ein Jahr lang für Hewlett-Packard. Es zeichnete sich ab, dass ich ohne Ingenieursabschluss in diesem Beruf langfristig kaum weiterkommen würde. Also beschloss ich, mich stattdessen wieder ganz meinem MBA-Studium zu widmen. Ich hatte schon nebenher auf meinen MBA zugearbeitet und besaß bereits einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss.

Der Aktienmarkt hatte mich schon immer interessiert. Ich handelte auf eigene Rechnung mit Aktien und lernte auf die harte Tour – durch Verluste. Natürlich ist es besser, erst mal Erfahrungen zu sammeln, indem man eigenes Geld verliert, und nicht das Geld anderer Leute.

Nach meinem Abschluss hatte ich Glück und wurde in ein finanzwirtschaftliches Trainee-Programm der Pensionskasse eines großen Stromversorgers in Ontario, Kanada, aufgenommen. Fünf Jahre später managte ich ein Small-Cap-Portfolio und lernte durch einen gemeinsamen Kontakt Don Reed kennen. Er suchte gerade Mitarbeiter zur Erweiterung der Templeton-Gruppe, und ich trat seinem Team in Toronto bei. Das war der Anfang meiner Karriere bei Templeton.

BT: Was würden Sie einem Berufsanfänger in Ihrer Branche raten?

NB:
Ein College- oder Hochschulabsolvent sollte nicht glauben, schon alles zu wissen. Ich glaube, man sollte sich als junger Mensch unbedingt vergegenwärtigen, dass man noch viel lernen muss. Die Ausbildung ist sehr wichtig, doch praktische Erfahrungen im Alltag und mit verschiedenen Marktzyklen sind durch nichts zu ersetzen. Das bedeutet nicht selten, dass man sich mit Dingen befassen muss, die nicht so glanzvoll sind, wie es in der Ausbildung womöglich dargestellt wurde. Das alles gehört zum Lernprozess. Nehmen junge Leute dies bereitwillig an, dann haben Sie meines Erachtens gute Aussichten.

BT: Was für eine Kultur fördern Sie innerhalb der Templeton Global Equity Group?

NB:
Für uns ist Teamwork das A und O. Jeder ist im Research für einen bestimmten Sektor und/oder ein Land zuständig. Wir werfen all unsere Erkenntnisse und Ideen in einen Topf, und daraus bauen wir Portfolios auf. Wir sind also alle aufeinander angewiesen, und das Arbeitsklima ist von Teamgeist geprägt.

Außerdem haben wir eine sehr flache Struktur. Wir packen alle mit an und ziehen an einem Strang. Hierarchie spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Wir haben ja alle ein- und denselben Auftrag, und der dreht sich um Aktien aus aller Welt. Natürlich gibt es Teilbereiche wie globale Aktien ohne USA, ohne Großbritannien, ohne Australien oder ohne Kanada und so weiter, doch im Grunde ist das als ein Produkt zu betrachten, zu dem wir alle beitragen müssen.

BT: Manche Fondsmanager prophezeien für die Zukunft, dass wir uns an mehr Marktvolatilität gewöhnen müssen. Würden Sie dem zustimmen und erkennen Sie darin Chancen?

NB:
Wir haben auf jeden Fall einen Anstieg der Volatilität erlebt, und die Marktstruktur hat sich verändert. Es ist viel mehr kurzfristiges Geld unterwegs, was sicherlich für diese Theorie spricht.