Notenbanken auf dem Prüfstand „Die Kerninflation wird 2018 steigen“

Rechnet mit steigenden Zinsen: AGIs Anleihechef Franck Dixmier | © Allianz Global Investors

Rechnet mit steigenden Zinsen: AGIs Anleihechef Franck Dixmier Foto: Allianz Global Investors

Es scheint so gut wie sicher, dass auf der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am 12./13. Dezember eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten angekündigt wird. Bemerkenswert ist auch, wie die Märkte ihre Einschätzung zu künftigen Zinserhöhungen in letzter Zeit neu bewertet haben und nun fest von einem derartigen Schritt ausgehen.

Jahrelang gab es eine Diskrepanz zwischen den Markterwartungen und den Absichten der Federal Reserve – letztere lassen sich an den sogenannten Fed Dots ablesen. Insofern ist es gut zu sehen, dass diese Kluft kleiner wird, wenngleich sie nicht ganz verschwunden ist. Es ist auch bemerkenswert, dass der jüngste Umschwung keine Auswirkungen auf die Finanzmärkte hatte, was in Bezug auf die finanzielle Stabilität eine gute Nachricht ist.

Die jüngsten Daten aus den USA vermitteln einen sehr positiven Ausblick und ein günstiges Wachstumsumfeld. Das dürfte die Fed wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Diese Entwicklungen sollten es der Zentralbank erleichtern, ihren Worten Taten folgen zu lassen und auf dem Weg zur geldpolitischen Normalisierung fortzuschreiten.

US-Inflation dürfte auf lange Sicht allmählich anziehen

Hinsichtlich des langfristigen Ausblicks ist die Botschaft der Fed vorsichtig. Die Protokolle früherer Sitzungen des Offenmarktausschusses waren bis auf die Aussagen zur Inflation sehr ausgewogen formuliert. Denn in der Vergangenheit stand die Fed vor dem Rätsel, wie trotz eines sehr positiven Umfelds die Inflation sinken konnte. Jetzt verändert sich der Ton in der Debatte leicht in dem wachsenden Vertrauen, dass die Inflation langsam anzieht.

Nach der Sitzung des Offenmarktausschusses im Dezember erwarten wir positive Aussagen über die Arbeitsmarktentwicklung, die wiederum die allmähliche Lohninflation vorantreiben sollte. Wir erwarten, dass die Kerninflation 2018 allmählich steigen und somit de facto die laufende Normalisierung der Geldpolitik rechtfertigen dürfte.

Forward Guidance der EZB dürfte sich weiterentwickeln

Wir erwarten, dass auch im kommenden Jahr eine große Mehrheit der EZB-Ratsmitglieder das Anleihenkaufprogramm der Zentralbank weiterhin tragen wird. Gleichzeitig ist klar, dass innerhalb der EZB über die Länge des Programms diskutiert wird und wie sehr die Zentralbank ihr Erwartungsmanagement bzw. ihre Forward Guidance anpassen muss.