Oddo BHF Abschwächende Konjunktur erfordert Rückbesinnung auf bessere Selektion

EZB-Zentrale in Frankfurt. Die Tage der aufgrund der Notenbankpolitik extrem schwachen Volatilität dürften gezählt sein | © Getty Images

EZB-Zentrale in Frankfurt. Die Tage der aufgrund der Notenbankpolitik extrem schwachen Volatilität dürften gezählt sein Foto: Getty Images

„War doch ganz einfach!“ Das wird mancher im Rückblick versucht sein zu sagen. Aus Sicht der Portfoliomanager hat sich 2017 im Aktien- wie auch im Anleihebereich als erfolgreiches Jahr erwiesen – mit weltweiten Zuwächsen von fast 20 Prozent beziehungsweise 4 Prozent (in USD abgesichert). Für Aufwind sorgten ein beschleunigtes globales Wachstum (plus 4 Prozent gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres) und eine schwächer als erwartet ausfallende Inflation. Die geringe Volatilität machte Anleger risikobereiter und ermutigte sie zu einer offensiveren Positionierung. So konnten sie ohne Stress gute Anlageergebnisse erzielen. Allgemein war die Stimmung gut und entfernt von der düsteren Stimmung im Jahr 2008.

Disinflationäre Phase dürfte zu Ende sein

Aber war es wirklich so einfach? Blicken wir doch noch einmal zurück auf zentrale Wegmarken dieses Jahres. Wer hätte Ende Dezember 2016 auf einen Sieg von Emmanuel Macron gesetzt – eine damals noch unbekannte Größe und Herausforderer der etablierten französischen Politikwelt? Rufen wir uns in Erinnerung, dass noch am Vorabend des ersten Wahldurchgangs alle vier Kandidaten (darunter zwei Populisten) in den Umfragen fast gleichauf lagen. Ein Sieg der Populisten hätte das Blatt auf einen Schlag gewendet, selbst wenn dies nur wenig wahrscheinlich war. Wer hätte solche Inflationszahlen erwartet, die nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar überraschend gefallen sind? Diese disinflationäre Phase, die auf spezifische Faktoren zurückzuführen ist (zum Beispiel fallende Mobilfunkgebühren in den USA), dürfte nun aus mehreren Gründen ein Ende haben:

  • Die nach der Rezession vorhandenen Überkapazitäten (Produktion und Arbeitslosigkeit) sind mittlerweile größtenteils absorbiert
  • Der Schuldenabbau befindet sich in seiner Schlussphase
  • Der deflationäre Effekt technischer Innovationen scheint überschätzt worden zu sein
  • Die Zweitrundeneffekte des Ölpreisverfalls liegen größtenteils hinter uns.

Märkte reagierten überraschend gelassen auf risikoreiches politisches Umfeld

Wer hätte sich vorstellen können, dass die Märkte derart gelassen auf einen solchen Anstieg der politischen Risiken (Naher Osten, Nordkorea) reagieren würden? Sicher, die makro- und mikroökonomischen Daten waren solide, aber waren Anleger nicht doch zu sorglos? Mit der US-Steuerreform findet das Jahr 2017 einen positiven Abschluss – für uns aber auch Anlass, einen Ausblick und ein Basisszenario für das kommende Jahr zu formulieren. Hier einige mögliche Ideen:

Aktien: Die Aktienkurse dürften – beflügelt von steigenden Unternehmensgewinnen – im Jahresverlauf steigen, allerdings mit etwas gebremstem Rückenwind. So haben die Bewertungen durch die in diesem Jahr erzielten robusten Gewinne etwas an Attraktivität eingebüßt. Auch die weltweite Wachstumsdynamik dürfte etwas an Fahrt verlieren. Zur Klärung der Frage, welche Regionen überzugewichten sind, stellen wir eine grundsätzliche Frage: Sollte man in US-Aktien investiert bleiben? (Die Antwort darauf wird unsere Investmentstrategie geben, die demnächst veröffentlicht wird.)

Renten: Wir erwarten bei langlaufenden Staatsanleihen negative Renditen. Unser Basisszenario besteht weiterhin in einer Versteilung der Renditekurve in Reaktion auf steigende Inflationsraten und Leitzinsen. Dies ist ein Szenario, dass eine Generation von Fondsmanagern gar nicht kennt und das auch erfahrenere Fondsmanager verblüfft (Erinnerungen werden wach…).

Die Aussichten für Unternehmensanleihen schätzen wir für die erste Jahreshälfte weiterhin positiv ein, erwarten aber für die zweite Jahreshälfte 2018 Gewinnmitnahmen in Vorwegnahme einer möglichen Konjunkturwende.

Die Tage der aufgrund der Notenbankpolitik extrem schwachen Volatilität dürften gezählt sein und abgelöst werden von einer breiteren Performance-Streuung und einer Rückbesinnung auf mehr Selektivität als Performancetreiber. Oddo BHF AM ist ein Asset Manager, der mittels überzeugungsbasiertem Ansatz auf risikoadjustierter Basis Wert schafft – ein Ansatz, der für 2018 wie geschaffen scheint.