ODDO BHF Asset Management „Micro Caps mit 60 Prozent mehr Rendite als große Börsenwerte“

Gulliaume Chieusse, Fondsmanager des Oddo Active Micro Companies: „Die bessere Performance von Micro Caps gegenüber Large Caps resultiert vor allem aus den enormen Wachstumsmöglichkeiten von sehr kleinen Unternehmen“

Gulliaume Chieusse, Fondsmanager des Oddo Active Micro Companies: „Die bessere Performance von Micro Caps gegenüber Large Caps resultiert vor allem aus den enormen Wachstumsmöglichkeiten von sehr kleinen Unternehmen“

Der Oddo Active Micro Companies wurde im August 2017 gestartet. Welche Art von Aktien stehen im Fokus des Fonds?

Guillaume Chieusse: Wir setzen auf europäische Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 75 bis 750 Millionen Euro. Dabei haben wir wachstumsstarke Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten im Blick, aber auch Unternehmen, die sich gerade in der Erholungsphase befinden.

Welche entscheidenden Unterschiede gibt es zwischen Micro Caps von Small Caps?

Chieusse: Die Hauptunterschiede ergeben sich aus der unterschiedlichen Marktkapitalisierung. Micro Caps haben eine geringere Liquidität und werden von noch weniger Analysten beobachtet und bewertet als Small Caps. Unternehmensdaten und Research-Berichte sind schwieriger zu bekommen.

Das klingt nach einem erheblichen Aufwand für Analysten und Fondsmanagement. Wie werden sie für ihr Engagement belohnt?

Chieusse: Sie erarbeiten sich einen Informationsvorsprung, der Grundlage einer interessanten Outperformance-Quelle sein kann. Ein erfahrener Fondsmanager kann durch die Analyse von Informationen zum Unternehmen, die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind, Wachstumschancen entdecken, die der Markt noch nicht eingepreist hat. So kann er Fehlbewertungen nutzen, um Mehrerträge zu erzielen.

Microfonds haben eine sehr geringe Marktkapitalisierung. Das bedeutet, sie haben auch eine geringe Liquidität. Resultiert daraus nicht ein ziemlich hohes Risiko für Anleger?

Chieusse: Es gibt ein gewisses Liquiditätsrisiko, das man im Blick haben muss. Es ist aber gut zu managen und wird unserer Ansicht nach deutlich überkompensiert durch die Chancen, die sich durch die Marktineffizienzen ergeben.

Bringt denn die geringe Größe sogar spezifische Vorteile mit sich?

Chieusse: Tatsächlich können Investoren mittel- bis langfristig vom sogenannten Größeneffekt profitieren. Die bessere Performance von Micro Caps gegenüber Large Caps resultiert vor allem aus den enormen Wachstumsmöglichkeiten von sehr kleinen Unternehmen. Ein Beispiel: Über die vergangenen fünf Jahre haben Micro Caps rund 60 Prozent mehr Performance erzielt als europäische Large Caps – und das bei einer niedrigeren Volatilität. Zudem sind Micro Caps häufig begehrte Übernahmekandidaten. Die Käufer zahlen zum Teil hohe Prämien auf den Kurs, die der Investor einstreichen kann.

Wo finden Sie diese Micro Caps für Ihren Fonds? Gibt es Schwerpunkte in manchen Ländern oder Sektoren?

Chieusse: Ja, die gibt es. Auffällig ist vor allem der Fokus auf Technologieaktien mit ihrem enormen Wachstumspotenzial. Fast 50 Prozent der Micro Caps stammen aus den Sektoren Technologie, Gesundheitswesen und Industrie. Diese Sektoren sind hier im Vergleich zum breiten Markt überrepräsentiert. In unserem Fonds machen die drei Sektoren zurzeit sogar über 60 Prozent aus, wobei der Gesundheitssektor gegenüber dem Vergleichsindex deutlich untergewichtet ist. Bei den Ländern dominieren Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Frankreich. Die vier Regionen machen über 75 Prozent im MSCI European Micro Cap Index aus.

Deutschland ist nach Frankreich zweitstärkste Länderposition im Fonds. Können Sie ein Beispiel für eine deutsche Aktie im Portfolio nennen, in die Sie investiert sind?

Chieusse: Ringmetall* ist ein Spezialanbieter in der Verpackungsindustrie und Weltmarktführer für Fassspannringe mit einem Marktanteil von 70 Prozent global sowie 80 Prozent in Europa und den USA. Das Unternehmen verfügt über langjährige Verbindungen zu den größten Fässer- und Tonnenproduzenten. Der Hauptteil der Kunden kommt aus Industrien mit gefährlichen Materialien und hohen Sicherheitsstandards. Das Geschäftsmodell klingt wenig sexy, doch es zählt die Performance. Und die überzeugt. Der Aktienkurs hat in den vergangenen fünf Jahren über 220 Prozent zugelegt.

*Die Aktie ist keine Kaufempfehlung.

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