Ökologisch und sozial Wie die Fondsbranche ihre Produkte auf Nachhaltigkeit umstellt

Skulptur The Wave (Die Welle) von Künstler Wren Miller, Teil einer Nachhaltigkeitsoffensive in London. | © Getty Images

Skulptur The Wave (Die Welle) von Künstler Wren Miller, Teil einer Nachhaltigkeitsoffensive in London. Foto: Getty Images

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Die Nachfrage wächst rasant. Ende 2015 waren nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum rund 64 Milliarden Euro in nachhaltigen Fonds investiert. Das sind 14 Milliarden Euro mehr als noch ein Jahr zuvor, ein Plus von mehr als einem Viertel.

Es locken aber nicht nur Produkte Kapital an, die in erster Linie streng nachhaltig anlegen sollen. Die Fondsanbieter hübschen konventionelle Anlagestrategien zunehmend mit ökologischen, sozialen oder unternehmenspolitischen Ansprüchen auf. Nachhaltigkeitsfilter sollen Umweltverschmutzer aussortieren und besonders engagierte Unternehmen bevorzugen. So hat beispielsweise BMO Global Asset Management jüngst dem F&C Global Emerging Markets Portfolio ein neues Konzept verpasst: Das Management des in BMO Responsible Global Emerging Markets Equity umbenannten Fonds berücksichtigt nun einen zusätzlichen Kriterienkatalog. Dem müssen Unternehmen gerecht werden, um ins Portfolio zu gelangen. Dazu gehören unter anderem Standards der Unternehmensführung wie ein ausgewogen besetzter Vorstand, umfängliche Berichterstattung und Schutz der Aktionärsrechte. Die Unternehmen sollen sich darüber hinaus auszeichnen, indem sie etwa soziale Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit anbieten, alternative Energiequellen nutzen oder Technologien für nachhaltiges Wirtschaften entwickeln.

Ein besonderes Anlageuniversum hat sich Danske Invest ausgesucht und seit Juni mit dem European Corporate Sustainable Bonds einen Fonds im Angebot, der auf europäische Unternehmensanleihen setzt. Die Schuldner sollen finanziell und nachhaltig überzeugen. „In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten sowohl bei institutionellen Kunden als auch bei Privatanlegern spürbar gestiegen. Bisher gibt es aber in diesem Bereich nicht so viele Fonds für Unternehmensanleihen“, sagt Thomas H. Kjærgaard, bei Danske verantwortlich für nachhaltige Investments.

Den nachhaltigen Produkttrend will sich der Londoner Indexanbieter FTSE ebenfalls zunutze machen, indem er künftig die nachhaltige Performance von gut 2.300 Unternehmen weltweit bewertet und veröffentlicht. Die Ratings sollen zeigen, wie gut die Firmen ESG-Kriterien erfüllen, heißt es von FTSE. ESG steht für Environment, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Neue Wege beschreitet auch das Analysehaus Morningstar: Konventionelle Fonds unter ökologischen, sozialen und unternehmenspolitischen Gesichtspunkten zu bewerten ist Neuland. Die Fondsrating-Agentur hat sich auf die Fahne geschrieben, damit das Thema Nachhaltigkeit für weite Anlegerkreise zu erschließen. „Für Privatanleger und ihre Berater bestand bisher unter anderem das Problem, dass es für den breiten Markt der ‚normalen‘ Publikumsfonds gar keine ESG-Ratings gab“, erläutert Deutschlandchef Werner Hedrich. Im ersten Schritt haben bereits mehr als 20.000 Fonds ein sogenanntes Sustainability Rating erhalten.

Fonds mit einer ausdrücklich nachhaltigen Anlagestrategie sollten dabei besser abschneiden als konventionelle Fonds. Das schaffen sie auch: 63 Prozent der Fonds, die über ein Nachhaltigkeitsmandat verfügen, erhalten eine überdurchschnittlich Bewertung. Der Anteil dieser Ratings im gesamten Fondsmarkt fällt lediglich halb so hoch aus.

Bringt heile Welt auch mehr Geld? Bislang haben die Analysten keinen positiven Zusammenhang etwa mit dem Morningstar-Sterne-Rating erkannt, das die Rendite-Risiko-Profile von Fonds bewertet. „In der Risikobetrachtung scheinen Portfolios mit höherem ESG-Rating allerdings insgesamt besser abzuschneiden, auch über verschiedene Zeiträume hinweg“, sagt die leitende Analystin Barbara Claus. Das wäre doch schon was.

Sauberer Dreiklang bei Morningstar

Morningstar Sustainability Ratings setzen sich aus drei Teil-Ratings zusammen, die Unternehmen auf folgende Kriterien abklopfen:

  1. Die Umweltbilanz wie Energieeffizienz und Luftverschmutzung
  2. Die soziale Seite wie Arbeitsbedingungen, Genderfragen und soziales Engagement sowie Grundsätze guter Führung
  3. Zu Letzteren zählen die Zusammensetzung der Aufsichtsräte, Managementgehälter und Lobbyaktivitäten

Die drei Komponenten werden mit ESG abgekürzt (environmental, social, governance) und je nach Branche unterschiedlich gewichtet, was sich auch auf das Fonds-Rating niederschlägt. Die Analyse von Sustainalytics gilt für Aktien und Anleihen.