Ökoworld: „Uns geht es um Performance“

Strampeln sich für ein Interview auch mal ab (von links): Tobias Geyer, Alexander Mozer, Felix Schnella und Alexander Funk betreuen Investmentfonds für die Gesellschaft Ökoworld. Auch Pressesprecher Gunter Schäfer (Mitte) radelt mit durch den Luxemburger Regen.

Strampeln sich für ein Interview auch mal ab (von links): Tobias Geyer, Alexander Mozer, Felix Schnella und Alexander Funk betreuen Investmentfonds für die Gesellschaft Ökoworld. Auch Pressesprecher Gunter Schäfer (Mitte) radelt mit durch den Luxemburger Regen.

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DAS INVESTMENT: Hilft Fahrradfahren beim Fondsmanagement?

Alexander Funk:
Manchmal schon. Bei meinen Radtouren achte ich natürlich auf die Fahrradhersteller der anderen Radfahrer. In Luxemburg sind darunter viele Top-Marken vertreten. Das gibt einen kleinen Anhaltspunkt über die Attraktivität der Branche. Hersteller wie Giant und Merida befinden sich auch in unseren Ökoworld-Fonds. Darüber hinaus zählt die japanische Shimano, Hersteller von Fahrradkomponenten, zu unseren Top-Picks. Insgesamt lässt sich feststellen, dass Fahrräder gut laufen, nicht nur auf der Straße.

Felix Schnella:
In den urbanisierten Gebieten wird die einfache Mobilität wie eben Fahrradfahren zunehmend wichtiger. Für ältere Menschen sind mit Elektromotor unterstützte Fahrräder – E-Bikes oder Pedilecs – eine gute Möglichkeit, mobil zu bleiben. Die explodierenden Benzinpreise tragen auch dazu bei, dass generationsübergreifend mehr in die Pedale getreten wird. So entsteht in diesem Bereich ein im wahrsten Sinne des Wortes sattelfestes Investmentthema.

Alexander Mozer: Das erinnert mich an folgendes Déjà-vu. Als ich im Frühjahr vergangenen Jahres in Italien Urlaub machte, habe ich verhältnismäßig viele Elektrobikes gesehen. In Deutschland waren die noch nicht verbreitet. Das war ein ähnliches Phänomen wie damals mit den Mobiltelefonen. Viele Italiener liefen schon sehr früh mit Handy am Ohr herum. Man selbst hat noch gelästert: So was würde ich mir ja nie in die Tasche stecken. Ich brauche Ihnen ja nicht zu erzählen, was daraus geworden ist.

Und dann?

Mozer:
Mein Italien-Déjà-vu war ungefähr zum selben Zeitpunkt, als Derby Cycle, ein Hersteller von Elektrofahrrädern, in Deutschland an die Börse ging. Nach tiefergehender Finanzanalyse haben wir uns entschieden zu investieren. Der Aktienkurs hat sich im Anschluss schnell verdoppelt.

Als Fondsmanager sind Sie an steigenden Aktienkursen interessiert und erwarten von Firmen stetig wachsende Gewinne. Aber ist dieser Wachstumswahnsinn aus nachhaltiger Sicht sinnvoll?

Mozer:
Allein die Tatsache, dass jeden Tag 200.000 Menschen auf die Welt kommen, führt schon zu einem Grundwachstum. Für mich als Fondsmanager ist es sehr interessant zu sehen, dass viele nachhaltige Themen starke Wachstumstrends ausgebildet haben.

Um welche konkreten Themen geht es?

Mozer:
Beispielsweise Elektromobilität, nachhaltiger Transport, Stadtentwicklung, Energieeffizienz, Wasserversorgung, Bildung und Gesundheit. Viele Themen, die dem nachhaltigen Gedanken gut entsprechen und Ökonomie und Ökologie unter einen Hut bringen.

Darf ein Unternehmen, in das Sie investieren, einfach nur wachsen, oder muss das Wachstum wachsen?

Funk:
Ökoworld investiert in Unternehmen, die zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Also: ja, höher, weiter, schneller wachsen, aber immer in Kombination mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Eben Gewinn mit Sinn. Die nachhaltigen Investmentthemen haben enormes Nachholpotenzial gegenüber den konventionellen Themen. Ein „Weiter so“ ist in der Welt von heute nicht mehr vermittelbar. Darum wachsen diese Unternehmen quasi automatisch. Die aktuelle Debatte über eine mögliche Konjunkturverlangsamung hat für uns keine Priorität. Bestes Beispiel ist China. Die Volkswirtschaft wächst nicht mehr zweistellig. Das sehen wir entspannt, denn wir investieren als Stockpicker in Branchen und Themen, die immer noch überproportionales Aufholpotenzial haben.