Oliver Porr: „Die Mindestbeteiligung sollte auf das Vermögen des Anlegers abstellen“

Oliver Porr ist Geschäftsführer bei LHI Leasing

Oliver Porr ist Geschäftsführer bei LHI Leasing

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„Die Zeit der einsamen Macher-Typen in unserer Branche ist vorbei“, sagt Oliver Porr. „Um im Management erfolgreich zu sein, sind heute Teamplayer nötig, die administrative und unternehmerische Kompetenzen mitbringen.“ Der Geschäftsführer der LHI Leasing spricht aus Erfahrung. Er braucht sich nicht groß auf die Spielregeln einzustellen, die mit der europaweiten Regulierung auf die Initiatoren zukommen.

Eigner von LHI sind die Banken NordLB und LBBW, und seit bereits drei Jahren operiert das Haus als Finanzdienstleistungsinstitut. Was heißt: „Drei Stunden am Tag sind bei mir für Dinge wie Risikomanagement und Dokumentation reserviert, die restliche Zeit bleibt für die Kreativecke“, so Porr.

Der studierte Jurist findet es generell richtig, dass die Emissionshäuser regulatorische Vorgaben bekommen. „Dazu gehört etwa, über ein gewisses Eigenkapital zu verfügen, um eine ordentliche Asset- und Anlegerverwaltung auf die Beine stellen zu können“, meint Porr, der neben seinem LHI-Job seit 2008 auch Vorstandsvorsitzender des VGF Verbands Geschlossene Fonds ist.

Er sieht den VGF als Interessenvertretung für die Aufrechten in seiner Branche: „Wir haben für unsere Mitglieder eine ganze Reihe von freiwilligen Selbstverpflichtungen eingeführt. Etwa, dass sie über weitgehend vergleichbare Leistungsbilanzen einen Soll-Ist-Abgleich bei den aufgelegten Fonds ermöglichen.“

Für Porr gehört zum Prinzip der Redlichkeit, sich bei jedem Fondsprojekt vor Augen zu führen, ob man es notfalls auch in den Eigenbestand nehmen würde. Und ob man persönlich ebenfalls investieren würde. „Wer beides nicht mit Ja beantwortet, darf ein solches Produkt nicht an den Markt bringen.“

Zudem müsse man sich fragen, wie sichergestellt werden kann, dass die Fondsprodukte an die richtigen Adressaten vermittelt werden. Porr: „Im Vertrieb haben sich viele durch ordentliche Arbeit ihr Geld hart verdient, doch es gibt auch eine Menge Beispiele, wo es danebengegangen ist. Und wenn ich sehe, was derzeit mit eher wagemutigen Produkten eingeworben wird, erinnert mich das ein bisschen an die Dubai-Story vor einigen Jahren.“

Regulierung als Hindernislauf

Wer indes glaubt, dass die Regulierung ein Allheilmittel für Fehlentwicklungen sei, ist für den VGF-Vorstandschef auf dem Holzweg: „Das Desaster bei den offenen Immobilienfonds hat auch deren staatliche Kontrolle nicht verhindern können.“

Und Porr sieht auch beim aktuellen Gesetzentwurf zur Regulierung seiner Branche noch eine ganze Menge Diskussionsbedarf. So ist etwa geplant, die Beteiligung an Ein-Objekt-Fonds künftig erst ab 50.000 Euro zuzulassen: „Das widerspricht dem Ziel, mehr Diversifikation für Anleger zu ermöglichen“, so Porr. „Besser wäre es, die Mindestbeteiligung auf das Vermögen des Anlegers abzustellen. Eine feste Volumengrenze ist immer falsch, weil die freien liquiden Vermögen unterschiedlich groß sind.“

Zudem sollen geschlossene Fonds nach derzeitigem Stand der Debatte nur noch bis zu 30 Prozent Fremdkapital aufnehmen dürfen. „Damit würden attraktive Assets mit höherem Leverage wohl nur noch für Einzelinvestoren und nicht mehr für Fondsanleger zugänglich sein“, kritisiert Porr.

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