Oriental Income von AGI „Ich werde mein Konzept nicht ändern, nur damit ich bei Morningstar gut aussehe“

Fondsmanager Stuart Winchester

Fondsmanager Stuart Winchester

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DAS INVESTMENT.com: Warum heißt der Fonds Oriental? Asian wäre doch passender.

Stuart Winchester: Das kommt aus der Historie. Als die Strategie in den 80ern gestartet wurde, suchte man etwas Offensives. Ich weiß nicht genau, wie man dabei auf den Begriff Oriental kam. Aber man nannte den Fonds so und änderte das nicht mehr. Er hatte sich als Marke etabliert.

Wenn ich Orient höre, denke ich nicht gerade an Japan.

Das ist sicherlich richtig. Aber Orient ist für mich ein altes Wort, bei dem ich an Asien denke. Und Japan ist ja ein Teil von Asien. Ich wurde schon oft darauf angesprochen, dass man den Namen ändern sollte. Aber ich habe den zwingenden Grund noch nicht gesehen.

Ich würde gern durch Ihre Anlageregion reisen und dort starten, wo es die größten wirtschaftlichen Entwicklungen oder Sprünge gibt. Wo fange ich an?

China. Sie besuchen Peking, Shanghai, Wuxi und vielleicht noch Chongqing.

Was finde ich dort?

Zunächst einmal die Gegensätze in China selbst. Peking als Hauptstadt, Shanghai als Stadt mit großem künstlerischem Geist. Dann gehen Sie nach Wuxi mit seinem westlichen Einfluss und völlig anderen wirtschaftlichen Elementen. Dann gehen Sie Richtung Westen nach Kunming und erleben ganz andere Menschen, nicht alle Chinesen sind Han-Chinesen. Und schließlich gehen Sie nach Chongqing und erleben diese sehr industrielle Stadt. Aber zuerst gehen Sie in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Dann kriegen Sie ein Gefühl dafür, wie China in den späten 70er Jahren ausgesehen hat.

Darf man da überhaupt rein?

Inzwischen schon. Das sind geführte Touren. Ich war 2004 im Rahmen einer Delegation aus zehn Leuten dort. Wir sagten damals, wir seien Investoren, die Geld mitbringen. Das hat funktioniert, denn Nordkorea ist in dieser Hinsicht ziemlich verzweifelt. Wir haben natürlich kein Geld dorthin gebracht.

Ist China die größte Position in Ihrem Fonds?

Nein, Japan.

Weil es der größere Markt ist?

Nicht wirklich. Es hat eher mit den Kursrisiken zu tun. Ich finde das beste Chance-Risiko-Profil in meinem Anlageuniversum aktuell in Japan. China und Japan laufen beide sehr gut. Aber wer den anderen abhängt, das kann ich leider nicht vorhersagen.

Wenn Sie Märkte nicht vorhersagen können, was liefern Sie dann Ihrem Anleger?


Stockpicking. Einzeln ausgewählte, gute Aktien.

Was suchen Sie?

Ich schaue, was ein Unternehmen theoretisch wert ist. Dann lote ich aus, was das Unternehmen in den kommenden Jahren mit seinem Geschäftsmodell verdienen kann. Und diesen Cashflow setze ich mit dem aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis und erkenne daraus, welche Chancen und Risiken das Papier bietet. Und das mache ich Aktie für Aktie.