Parallelen: NSA-Skandal und ungleiche Vermögensverteilung

Markus Schuller

Markus Schuller

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Nach Eintreten  der Great Recession begannen die entwickelten Volkswirtschaften mit ihrem Deleveraging. Manche schneller (USA), viele erst kürzlich (FRA). Manche Marktteilnehmer haben ihren Entschuldungsprozess nahezu abgeschlossen (US Konsument), andere noch nicht einmal damit begonnen (kanadischer Konsument).

Alle haben gemein, dass sich deren politische Repräsentanten auf Ebene der G20 in den Jahren 2008 und 2009 darauf einigten, die Krise als Einladung für Strukturreformen und nicht für Systemumstellungen zu verstehen. Seitdem wird national und supranational an den Strukturen gearbeitet. Beispielhaft sei die Re-Regulierungswelle am Finanzmarkt angeführt.

Den entwickelten Volkswirtschaften ist zudem gemein, dass deren Regierungen und Notenbanken einen Zugriff auf die Sparguthaben der Mittelschicht via Finanzieller Repression zumindest geschehen lassen, um einen Notenbanker zu zitieren.

Systemfragen wie zum Beispiel der Aufbau unseres Geldsystems (Fiat Money System, Zinseszins, et cetera) wurden nicht gestellt, obwohl die gewählten Geldsystem-Parameter starken Anteil an langfristigen Kreditzyklen haben (Ray Dalio, 2013).

Nun sind strukturelle Anpassungsprozesse in Phasen der Entschuldung durchaus angebracht, doch nicht ausreichend, um eine möglichst kontinuierliche volkswirtschaftliche Entwicklung im interdependenten System zu erreichen. Die Arbeit an Systemfragen lässt sich aber nur schwer erzwingen.

Derzeit ist hierzu keine Bereitschaft auf Seiten der politischen Repräsentanten erkennbar. Jörg Asmussen, deutscher EZB Direktor, vor zwei Wochen auf der IIF Jahrestagung in Washington: „More recently, however the G20 seems to have lost its earlier momentum.“

Er schlägt ein permanentes G20 Sekretariat, eine fokussiertere Agenda und einer Etablierung von konkreten, messbaren Zielvorgaben vor. Für sich genommen würden seine Ideen die G20 Plattform durchaus stärken. Der fehlenden demokratischen Legitimation wäre damit jedoch kein Ende gesetzt.

Nun zurück zu den Systemfragen. Asmussen zeigte deutlich auf, wie schwach die Motivation der nationalen Repräsentanten ausgeprägt ist, sich mit grundlegenderen Fragen unserer Wirtschaftsordnung zu beschäftigen. Das jeweilige Elektorat drängt sie auch wahrlich nicht dazu. Hierfür scheinen die Kühlschränke noch zu gut gefüllt zu sein.

Systemfragen

Welche Faktoren könnten nun in absehbarer Zukunft die Sprengkraft besitzen, den Fokus während der Deleveraging-Phase nochmals auf eine Reflexion der Systemannahmen eskalieren zu lassen?