Passive Investments „Anleihen-ETFs sind heutzutage unverzichtbar“

Börsentafel am Times Square: Viele Anleger wenden sich aus Kostengründen Anleihen-ETFs zu. | © Getty Images

Börsentafel am Times Square: Viele Anleger wenden sich aus Kostengründen Anleihen-ETFs zu. Foto: Getty Images

David Schnautz, Anleihen-Produktstrategie bei BlackRock

Für Anleger – private wie institutionelle – ist es im Aktienbereich leicht machbar, diversifizierte Portfolios aufzubauen. Im Anleihebereich sind Strategien schwerer umzusetzen, da Zuteilungen am Primärmarkt oft unter wenigen institutionellen Playern ausgemacht werden und die Stückelungen im Handel am Sekundärmarkt sehr groß sind. „Der Bond-Markt ist traditionell institutionellen Anlegern vorbehalten, da er schwer zugänglich ist“, erklärt Konrad Kleinfeld, iShares Institutional Sales und Fixed Income Spezialist.

In den vergangenen Jahren hat sich die Situation sogar noch einmal deutlich verschärft. Besonders seit der Finanzkrise im Jahr 2008 unterlagen die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere massiven strukturellen Veränderungen.

Regulierung und Reorganisation

Vor allem die eingeleiteten globalen Regulierungsreformen haben den Wandel beschleunigt, wobei in erster Linie die Liquidität, Marktstruktur und Verfügbarkeit von Anleiheprodukten betroffen waren. Unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise kam es zu drastischen Bilanzverkürzungen. Während sich die Liquidität rasch erholte, führten die neuen Regulierungsvorschriften zu nachhaltig höheren Refinanzierungs- und Eigenkapitalkosten für Banken und Kommissionshändler. In der Folge haben die Institutionen das Risiko deutlich reduziert. Es wurde zunehmend schwieriger, die gesteckten Renditeziele zu erreichen.

Gleichzeitig ist die Anzahl der Neuemissionen von Unternehmensanleihen stark gestiegen. Viele Emittenten nutzen die niedrigen Zinssätze, um ihre Fälligkeitsprofile zu verbessern. Dieser Trend hat zu einer erhöhten Fragmentierung des Marktes geführt. Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht die Auswirkungen der zunehmenden Emissionstätigkeit auf das Liquiditätsumfeld: Während die Zahl der ausstehenden Anleihen gestiegen ist, konnte das Handelsvolumen am Sekundärmarkt nicht Schritt halten. Tatsächlich ist die Umschlagshäufigkeit von Investment- Grade-Anleihen seit dem Jahr 2005 von über 100 Prozent auf rund 65 Prozent gesunken.

Umschlagshäufigkeit bei Investment-Grade- und Hochzinsanleihen: