Paul Read „2014 wird anspruchsvoll für Renten und Aktien“

Paul Read, Invesco

Paul Read, Invesco

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DAS INVESTMENT.com: Wenn man Ihre Marktkommentare der vergangenen Monate liest, beneidet man Sie nicht. Sie argumentieren, dass in diesem Jahr aus rein mathematischer Sicht Gewinne im Rentenbereich nur schwer zu erzielen seien.

Paul Read:
Nun, für diese Einsicht reicht ein recht rudimentäres Mathematikverständnis. Aber trotzdem ist es ungemein schwierig, Kunden und Investoren davon zu überzeugen, dass sich die Erträge der Vergangenheit nicht so einfach fortschreiben lassen.

Ich war jüngst auf einer Kundenveranstaltung in Berlin. Wir haben da kleine Workshops veranstaltet, immer vor exklusiven Kundengruppen, die zwölfmal gewechselt haben. Da hatte ich echt ein Problem: Ich wurde von Slot zu Slot immer pessimistischer und musste mich etwas zügeln.

DAS INVESTMENT.com: Ihre Kollegin Stephanie Butcher verwaltet den Aktienteil. Wer hat denn derzeit den spannenderen Job?

Read: Wir haben beide eine große Verantwortung. Aber ganz nüchtern betrachtet, spricht derzeit mehr für Aktien als für Anleihen. Das ist auch der Grund, warum mit rund 18 Prozent die Aktien-Allokation auf dem höchsten Stand seit Start des Fonds vor acht Jahren ist.

Daran wird sich auch im laufenden Jahr wohl nichts ändern. Aktien haben einen kräftigen Rückenwind und sicher auch dieses Jahr höhere Erträge. Aber 2014 wird anspruchsvoll für beide Seiten, Renten und Aktien. Es ist nichts mehr offensichtlich. Das ist auch der Grund für unsere maximale Cash-Quote.

DAS INVESTMENT.com: Die vergangenen Jahre waren von Entscheidungen der Politik und der Zentralbanken geprägt. Was können Sie in solch einem Umfeld politischer Börsen tun?

Read: Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Die Märkte sind von den geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken manipuliert. Sehr drastisch sogar. Die vergangenen sechs Jahre gab es in den vermeintlich sicheren Häfen – dem Geldmarkt und klassischen Bunds etwa – kaum etwas zu verdienen.

Da liegt aber noch so viel Kapital, dass dem Markt jährlich rund 900 Milliarden Dollar an ehemals sicherem Einkommen fehlen. Nun sagen sich Investoren, dass so ein Zustand für ein Jahr mal o.k. ist. Aber für sechs Jahre? Wann wird sich dieser Zustand wieder normalisieren?

DAS INVESTMENT.com: Auf absehbare Zeit nicht.

Read: Richtig. Das erkennt der Markt nun auch. Das wird für die nächsten zwei oder drei Jahre auch so bleiben.

DAS INVESTMENT.com: Mit welchen Folgen?

Read: Es kommt zu Fehlallokationen, weil Investoren auf der Suche nach Erträgen in Märkte investieren, die sie noch vor einigen Jahren gemieden hätten.

DAS INVESTMENT.com: Das ist ein neuer Normalzustand.

Read: Das können Sie so sehen. Wenn Sie allerdings ein traditioneller Renten-Anleger sind und nun auf die Aktienseite wechseln müssen, um Erträge zu bekommen, ist das schon eine gewaltige Veränderung. Die sehen Sie auch auf der Rentenseite.

Ich bin zufrieden mit Bund-Renditen um die 1,6 Prozent. Andere sehen in den Schwellenländern oder im High-Yield-Bereich Erträge zwischen 4 und 5 Prozent. Sind die zusätzlichen Prozentpunkte das Risiko wert? Oder sollten wir uns einfach mit den geringeren Erträgen zufriedengeben? Ich bin da gern konservativ.

DAS INVESTMENT.com: Die Zeit in Cash auszusitzen, ist auch eine Lösung. 30 Jahre hat der Rentenmarkt ja geliefert.

Read: Vollkommen richtig. Ein realer Kapitalerhalt ist nicht möglich. Nun ist Inflation sicher kein Gespenst in der Euro-Zone. Aber bleiben Sie mal fünf Jahre im Cash. Am Ende haben Sie gut 8 Prozent Ihres Kapitals verloren.

Ein guter Blue-Chip liefert Ihnen 4 Prozent Dividende im Jahr. Bei gleichbleibenden Konditionen hat der Aktieninvestor am Ende der fünf Jahre 25 Prozentpunkte mehr als Sie.