Performance, Risikokennzahlen & Co. Wie Versicherer Fonds für ihre Fondspolicen auswählen

Unter Beobachtung: Ein Fotograf macht Schnappschüsse von der Dax-Tafel in der Frankfurter Börse. Auch Versicherer nehmen Fonds, die sie für ihre Fondspaletten auswählen, genau unter die Lupe. Foto: Getty Images

Unter Beobachtung: Ein Fotograf macht Schnappschüsse von der Dax-Tafel in der Frankfurter Börse. Auch Versicherer nehmen Fonds, die sie für ihre Fondspaletten auswählen, genau unter die Lupe. Foto: Getty Images

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Zu wenig Beachtung schenken Versicherer den Fonds in ihren Fondspolicen, findet Tobias Schmidt, Chef der Feri Euro-Rating Services. Noch nicht einmal die Hälfte der Produkte im Fondsangebot deutscher Versicherer – genauer 46 Prozent – hätten die sehr gute Note A oder die gute Note B von Feri bekommen.

Schlecht ist das, weil die Fonds „für die langfristig erzielbare Rendite des Versicherungsnehmers von zentraler Bedeutung sind“, so Schmidt. Oft fehle es auch an systematischen Prozessen zur Produktselektion und Qualitätskontrolle, lautet ein weiterer Kritikpunkt.

Alle befragten Versicherer haben einen klaren Prozess

Stimmt das aber? Wir haben einige Versicherer gefragt, wie sie Fonds für ihre Fondspolicen auswählen, und wie oft sie diese Auswahl überprüfen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Die von uns befragten Gesellschaften haben dafür allesamt einen klaren Prozess. Und auch das Fondsangebot überprüfen sie regelmäßig, mindestens einmal im Jahr (HDI, Stuttgarter), halbjährlich (Basler, Axa), vierteljährlich (Zurich) oder laufend (WWK, Allianz).

„Mindestens einmal im Jahr sollte der Versicherer schon auf seine Fondsauswahl schauen und prüfen, ob die einmal im Auswahlprozess gesetzten Kriterien auch noch erfüllt werden“, sagt Eileen Wolf, Senior-Analystin beim Analysehaus Assekurata Solutions, das nun auch Fondsauswahlprozesse von Versicherern testet.

Zahl der Fonds ist Nebensache

Aber so weit sind wir noch nicht. Wie muss eine „optimale“ Fondspalette für ein Altersvorsorgeprodukt überhaupt aussehen? Man könnte meinen, die Zahl der Fonds spielt eine wichtige Rolle. Tatsächlich ist sie aber eher Nebensache.
Viel wichtiger ist die Bandbreite der angebotenen Fonds. „Je breiter und sinnvoller die Streuung auf verschiedene Anlagemöglichkeiten ist, desto besser können Kunden die vielfältigen Chancen an den internationalen Kapitalmärkten nutzen“, sagt Winfried Gaßner, der bei der WWK das Produktmanagement leitet. Über 100 Fonds stellt der Versicherer daher zur Verfügung und liegt damit eindeutig am oberen Ende der Bandbreite. Stuttgarter und Allianz liegen bei rund 70 Fonds, HDI sieht eine ausreichende Streuung schon bei 35 Fonds gegeben.

Für jeden Anleger sollte was dabei sein

Diesem Argument stimmt auch Oliver-Jens Baum, Produktmanager Leben bei der Basler, zu. „Hintergrund ist, dass für jeden Anleger – mit seinen ganz persönlichen Vorstellungen über Ertragserwartung und Risikotragfähigkeit – der passende Fonds zugänglich sein sollte.“ Die Allianz prüft bei jedem Neuzugang, ob der Kandidat das Fondsangebot sinnvoll unterstützt. „Habe ich schon zehn Europa-Fonds, muss ich mich fragen, ob noch ein elfter gebraucht wird“, so Ulrike Hummel-Rodach, Leiterin des Investment-Managements Leben-Produkte bei der Allianz.

Die Stuttgarter hält sich von kurzfristigen Anlagetrends fern. „Fondsgebundene Versicherungen erfordern prinzipiell Fonds mit langfristigen Anlagethemen“, sagt Klaus-Peter Klapper. „Wichtig ist, dass sie sich für die Altersvorsorge eignen“, so der Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing der Stuttgarter weiter. Das bringt uns auch gleich zum ersten Abschnitt des Fondsauswahlprozesses: Welche Fonds kommen überhaupt infrage?