Peter Stowasser im Interview „Multi-Asset wird zur neuen Klassik“

Der 47-jährige Diplom-Betriebswirt ist seit 2003 für Franklin Templeton Investments in Frankfurt am Main tätig und leitet seit 2009 das Retailgeschäft für Gesamtdeutschland.

Der 47-jährige Diplom-Betriebswirt ist seit 2003 für Franklin Templeton Investments in Frankfurt am Main tätig und leitet seit 2009 das Retailgeschäft für Gesamtdeutschland.

// //

DER FONDS: Immer mehr Anleger entdecken Multi-Asset-Fonds für sich. Was unterscheidet diese von traditionellen Mischfonds, die auch einmal auf der Erfolgswelle geschwommen sind, im Zuge der Finanzkrise aber vielfach enttäuscht haben?

Peter Stowasser: Gegenüber traditionellen Mischfonds, wie sie etwa vor zehn Jahren in Mode waren, haben Multi-Asset-Fonds ein erweitertes Instrumentarium zur Verfügung. Insofern sind sie kein alter Wein in neuen Schläuchen, sondern tatsächlich etwas Neues. Sie können zum einen auf Anlagen setzen, in die man nur indirekt investieren kann, zum Beispiel Infrastruktur oder Rohstoffe. Zum anderen hat sich hinsichtlich des Einsatzes von Derivaten eine Menge verändert. Sie lassen sich heute kostengünstig insbesondere für sinnvolle Absicherungsstrategien nutzen, ermöglichen aber auch, spezielle Investmentziele zu verfolgen. Risiken lassen sich so heute sehr viel genauer steuern, als dies beim Mischfonds klassischer Machart geschehen ist. Gerade Korrekturen an den Märkten können mit Multi-Asset-Fonds daher besser gemanagt werden.

Sind sie damit die richtige Antwort auf das aktuelle Umfeld?

Stowasser: Auf alle Fälle. Wir erleben gerade eine Phase, die von erhöhten Schwankungen an den Märkten geprägt ist. Klare Trends fehlen, daher ist die Unsicherheit groß. Und anders als in vergleichbaren Phasen in der Vergangenheit ist es heute alles andere als lohnenswert, sein Kapital auf unbestimmte Zeit in Geldmarktprodukten oder kurzfristigen Rentenmarktanlagen zu parken, um auf den richtigen Einstiegszeitpunkt zu warten. Darüber hinaus ist nicht zu erwarten, dass sich an der Konstellation aus volatilen Aktienmärkten und Niedrigzinsniveau innerhalb Europas schon in Kürze etwas ändern wird.

Das heißt, der Trend zu Multi-Asset wird sich fortsetzen?

Stowasser: Ich sehe den Zuspruch zu dieser Fondsgattung nicht als Trend an, der irgendwann zu Ende geht, sondern als eine dauerhafte Veränderung. Die Nachfrage nach Multi-Asset-Produkten wird weiter hoch bleiben. Nicht zuletzt, weil diese Fonds zunehmend als neues Basisinvestment dienen werden.

Könnte es sein, dass Multi-Asset-Fonds in zehn Jahren als Klassiker gelten?

Stowasser: Ja, ganz klar. Schließlich sind sie eine Weiterentwicklung des Fondsgedankens, wie wir ihn von globalen Aktienfonds wie beispielsweise dem Templeton Growth Fund, aber auch den Flaggschiffprodukten anderer Gesellschaften kennen: Statt weltweit nur über Aktien zu streuen, was irgendwann einmal als innovativ gelten konnte, setzen Multi-Asset-Fonds weltweit auf verschiedene Anlageklassen und steuern vielfach die Risiken sehr aktiv.

Der Investmentansatz Ihrer Multi-Asset-Fonds basiert auf Risikofaktoren. Was heißt das genau?

Stowasser: Wir sind der Überzeugung, dass das Denken in Assetklassen bei der Zusammenstellung eines Multi-Asset-Portfolios heute nicht mehr ausreicht. Denn oft bestimmen die gleichen Risikofaktoren verschiedene Anlageklassen. So hängt beispielsweise die Rendite eines Aktieninvestments und die einer Unternehmensanleihe gleichermaßen von den unterschiedlichen Risikofaktoren wie der Marktvolatilität oder unternehmensspezifischen Risiken ab. Folglich korrelieren unterschiedliche Anlageklassen in bestimmten Marktphasen stark und haben nicht den gewünschten Diversifikationseffekt. Indem wir die Assetklassen auf ihre Risikofaktoren hin untersuchen und sortieren, können wir einen solchen Gleichlauf zumindest teilweise verhindern und so ein wirklich diversifiziertes Portfolio zusammenstellen. Und das sollte zu niedrigeren Schwankungen oder höheren Erträgen führen.