Pflegeversicherung „Der Staat allein ist überfordert“

Philipp J. N. Vogel, Vorstand bei der DFV Deutsche Familienversicherung (Foto: Uwe Nölke)

Philipp J. N. Vogel, Vorstand bei der DFV Deutsche Familienversicherung (Foto: Uwe Nölke)

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DAS INVESTMENT.com: Ist das Thema Pflegeabsicherung Ihres Erachtens in der Bevölkerung angekommen?

Philipp J. N. Vogel: Die Medienpräsenz des Themas hat zugenommen, das allgemeine Problembewusstsein auch. Hierzu haben die Einführung des Pflege-Bahr und Pflege als ein zentraler Punkt im Bundestagswahlkampf sicherlich beigetragen. Dennoch zeigt die mit 3,4 Prozent extrem niedrige Vorsorgequote, dass die meisten Menschen noch immer meinen, vom Pflegerisiko selbst nicht wirklich betroffen zu sein.

Ein gravierender Irrtum, mit rund 4,6 Millionen wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 nahezu verdoppeln. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Beitragszahler in der gesetzlichen Pflegeversicherung um bis zu 30 Prozent, sodass die Umlagefinanzierung das Problem nicht in den Griff bekommt.

Halten Sie die politische Diskussion zu den Lösungsansätzen für konstruktiv?


Es fehlt das klare Eingeständnis der Politik, dass das Jahrhundertproblem Pflege nur mit privater Zusatzvorsorge zu bewältigen ist. Die geplante Pflegereform mit Beitragserhöhungen und dem Aufbau eines Vorsorgefonds reicht für eine zukunftssichere gesetzliche Pflegeabsicherung auf keinen Fall aus.

Um die Lasten aus den steigenden Pflegefallzahlen schultern zu können, halten Experten eine Verdreifachung der aktuellen Beitragssätze bis 2045 für nötig. Das ist schon aus Gründen der Generationengerechtigkeit gar nicht machbar. Insofern vermisse ich eine klare Botschaft der Politik an die Bevölkerung, dass eine private Pflegevorsorge für die meisten Menschen dringend geboten ist und massiv gestärkt werden muss.

Ist das Thema Demenz dabei schon ausreichend berücksichtigt?


Ganz klar nein! So begrüßenswert die beabsichtigten Verbesserungen für Demenzkranke auch sind: In der Praxis helfen sie den Betroffenen nicht wirklich weiter. Immerhin geht es dabei um rund 1,3 Millionen Menschen, deren Zahl sich in Zukunft verdoppeln wird. Demenz entwickelt sich über Jahre, ist äußerst betreuungsintensiv und mit starken physischen, psychischen und auch finanziellen Belastungen der Familien verbunden.

Bei Betreuung zu Hause sind die Angehörigen meistens auf die Unterstützung professioneller Dienste angewiesen, die auch bezahlt werden müssen. Stehen Ehepartner und Kinder nicht zur Verfügung oder muss ein berufstätiger Angehöriger die Betreuung übernehmen, wird es schnell extrem teuer. Die geplanten finanziellen Verbesserungen sind daher nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Nur eine leistungsstarke Demenzabsicherung kann hier Abhilfe schaffen.

Sie sind ein Befürworter des Pflege-Bahr – wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Der Pflege-Bahr ist ein guter Schritt in die richtige Richtung und ein wertvoller „Aufhänger“ in der Beratung. Rund eine halbe Million Menschen hat sich bis heute für ihn entschieden. Unbestritten ist, dass er strukturelle Grenzen hat und für eine vollständige Pflegeabsicherung nicht ausreicht. Doch eine teilweise zusätzliche Absicherung ist immer noch besser als gar keine.

Zudem bietet der geförderte Tarif einen Anreiz, über weitergehende, ungeförderte Tarife nachzudenken. Mit einer Kombination aus beidem, wie wir sie als Deutsche Familienversicherung anbieten, erhält der Kunde das Beste, was er im Bereich Pflegevorsorge für sich überhaupt tun kann.

Wie sind Hürden im Vertrieb zu nehmen – etwa die Tatsache, mit der Pflegevorsorge noch ein weiteres Vorsorgethema ansprechen zu müssen?

Makler, die das Thema Pflegevorsorge verstanden haben, haben damit kein Problem, sondern feiern sogar große Erfolge. Leider stellen wir bei vielen aber noch immer Berührungsängste und Wissensdefizite beim Thema Pflege fest. Es gibt in puncto Beratungskompetenz also nach wie vor Nachholbedarf.

Dabei bietet Pflegeberatung den Maklern große Chancen. Gerade in Zeiten, in denen die Vermittlung im Bereich Krankenvoll- und Lebensversicherung immer schwieriger wird, ist Pflegevertrieb bestens geeignet, Einkommensverluste auszugleichen und auch die Kundenbindung nachhaltig zu stärken.