Pimco „Anleihen-Bullenmarkt könnte länger dauern als erwartet“

Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei Pimco

Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei Pimco

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Trotz ihrer geografischen Nähe gibt es zwischen Deutschland und der Schweiz zahlreiche Unterschiede. Schweizerdeutsch hat einen anderen Klang als das Deutsch der Bundesrepublik und die Mentalitäten sind grundverschieden.

Den 14. Juni 2016 werden Finanzhistoriker vermutlich jedoch als jenen Tag vermerken, an dem es einen Unterschied weniger gab. Denn an diesem Tag nahmen die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen ein negatives Vorzeichen an. Während diese Entwicklung für Deutschland etwas ganz Neues ist, ist sie für die Schweiz bereits ein alter Hut: Zehnjährige Staatsanleihen rentieren dort bereits seit Anfang 2015 unter null. Anleger verbuchen Negativrenditen von minus 0,5 Prozent.

Renditen unter Null

Die Gründe für die deutschen Negativzinsen sind vielfältig: Sowohl die Unsicherheit, ob die Briten für einen Ausstieg oder einen Verbleib in der Europäischen Union (EU) stimmen werden, als auch die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihre Anleihekäufe in Höhe von 80 Milliarden Euro pro Monat trieben die Renditen ins Minus. Zudem üben langfristige Kräfte Druck auf die Investitionsquote aus und treiben die Sparquote in die Höhe. Bundesanleihen rutschten zwischenzeitlich unter die Nulllinie auf minus drei Basispunkte.

Generell gilt: Negative Zinssätze sind unnatürlich und sicherlich keine gute Anlageoption. Um mit der neuen Situation zurechtzukommen, sollten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die Finanzgeschichte richten. Diese erinnert uns an John Maynard Keynes – ein brillanter Ökonom, der als Spekulant herbe Verluste erlitt. Er sagte: „Der Markt kann länger irrational bleiben, als Sie solvent bleiben können.“

Anleger sollten dementsprechend nicht davon ausgehen, dass der Bullenmarkt der Staatsanleihen schnell zu Ende gehen wird. Strategien, die sich beispielsweise den Unterschied zwischen den Reposätzen für physische Anleihen und entsprechende Derivate – die sogenannte „Synthetic Cash-Futures Basis“ – zunutze machen, sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld effektiver denn je. Es gab nie einen besseren Zeitpunkt für ein aktives Management.