Pimco-Experte Josh Anderson „Für den Abbau notleidender Kredite müssen kreative Lösungen her“

Ein Biss dieser australischen Schlange kann 20 Menschen töten.

Ein Biss dieser australischen Schlange kann 20 Menschen töten. "Notleidende" Kredite werden oft auch als "toxisch" bezeichnet. Foto: Getty Images

Trotz des Konjunkturaufschwungs führen europäische Banken teils weiterhin hohe Bestände an notleidenden Krediten (Non-performing Loans, NPL) in ihren Bilanzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dieses Problem erkannt und die Bewältigung der Qualitätsprobleme bei den Aktiva der Banken zu einer der Hauptprioritäten der Bankenaufsicht erklärt. Zwar herrscht allgemeine Einigkeit darüber, dass die Banken ihren Bestand an notleidenden Krediten abbauen sollen. Auf welche Weise dies erfolgen soll, bleibt allerdings weiter ungeklärt. Unserer Ansicht nach sollten kreativere Lösungen in Betracht gezogen werden, und Aktionäre sollten proaktiver vorgehen.

Eine schnelle Bereinigung ist sinnvoll

Das Maß der Fremdfinanzierung – der „Leverage“ - von Finanzinstituten, ihre Bedeutung für die Gesamtwirtschaft und ihre Abhängigkeit von Privatkundeneinlagen sind Anlass genug für eine schnelle Bereinigung bei den NPL, welche in der Regel hochgradig volatile Cashflows aufweisen.

Mit dem Übergang eines Kredits zu einem notleidenden Kredit steigt naturgemäß die Wahrscheinlichkeit, dass der ursprüngliche Kapitalbetrag nicht vollständig zurückgezahlt wird. Gleichzeitig dehnt sich der Cashflow aus dem Kredit wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum, wenn keine Ressourcen für das Special Servicing (Kreditabwicklung) verwendet werden, und er wird volatiler. Mit einer Beitreibung sind hohe Rechtskosten verbunden. Im Vergleich zu üblichen Refinanzierungsgeschäften der Bank ist die Investorenbasis von NPL geringer und die Finanzierungskosten deutlich höher. Daher ist für das Halten eines notleidenden Kredits eine höhere Risikoprämie erforderlich, sofern alle anderen Parameter gleich bleiben.

Unterschiedliche Ansätze gegenüber NPL

Allgemein waren bisher in Bezug auf die Bewältigung von NPL zwei Ansätze zu beobachten: Die Kredite auf der Bilanz zu belassen und sie im Laufe der Zeit abzuschreiben (allmählicher Abbau aus eigener Kraft), oder sie sofort zu Preisen unter dem Buchwert zu verkaufen (rascher Abbau zu möglicherweise sehr niedrigen Kursen). Auch wenn es immer systemische und politische Faktoren zu berücksichtigen gibt, erscheint aus Sicht der Aktionäre derzeit keine der beiden Alternativen optimal.

Statt einfach auf eine dieser Methoden zu setzen, halten wir es für sinnvoll, das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer langsamen Verwässerung im Vergleich zum vollständigen Halten der NPL, die so näher bei ihrem Buchwert liegen, zu betrachten. Das vollständige Halten der NPL ermöglicht es den Anlegern außerdem, durch das Special Servicing das Prolongationsrisiko zu mindern, und so auf Dauer den Krediten wieder zu Liquidität zu verhelfen und Wert freizusetzen.