Pimco-Expertin Lupin Rahman Schwellenländer: „Die Zeit einfach vereinnahmter Renditen geht zu Ende“

Lupin Rahman ist globale Leiterin für Staatsanleihen und Emerging-Markets-Portfoliomanagerin bei Pimco. | © Pimco

Lupin Rahman ist globale Leiterin für Staatsanleihen und Emerging-Markets-Portfoliomanagerin bei Pimco. Foto: Pimco

Da die Schwellenländer abseits von China immer noch von den weltweit relativ günstigen geldpolitischen Bedingungen profitieren, erwartet Pimco hier für 2018 eine weitere Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Da aber die Bewertungen von Schwellenländeranleihen nach der diesjährigen Kurs-Rally hoch sind und die Marktvolatilität in den kommenden Monaten wahrscheinlich zunehmen wird, könnte die Zeit relativ einfach vereinnahmter Renditen zu Ende gehen.

Angetrieben durch Konsum und die Erholung des Welthandels erwarten wir, dass das Wachstum der Schwellenländer, darunter Brasilien, Russland, Indien und Mexiko, auf 4,0 Prozent steigen wird. Sowohl in Russland als auch in Brasilien wird sich die Konjunkturerholung wahrscheinlich weiter verfestigen, während das Wachstum in Mexiko und Indien stabil bleiben dürfte. Es wird erwartet, dass die Inflation abnimmt und sich gemessen am Verbraucherpreisindex, kurz Gesamt-VPI, einem Wert von rund 4,2 Prozent annähert. In Brasilien und Russland dürfte die Inflation innerhalb ihrer jeweiligen Inflationsziele bleiben, wogegen die Teuerungsrate in Mexiko nach unseren Erwartungen unter 4,0 Prozent fallen dürfte.

Flüchtiges Kapital

Trotz der verbesserten makroökonomischen Bedingungen in den Schwellenländern gibt es Risiken. An erster Stelle stehen der Rückzug aus der außerordentlichen geldpolitischen Unterstützung seitens der Zentralbanken der Industrieländer, insbesondere durch die US-Notenbank, und das schwächere Kreditwachstum in China. Die Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer waren eng mit der geringen Marktvolatilität korreliert, die mit der lockeren Geldpolitik und der Bilanzausweitung der Zentralbanken einherging. Deshalb erwarten wir, dass die Schwellenländer Gegenwind erfahren, wenn die Notenbanken diese wieder zurückfahren. Vorsicht ist auch angebracht, weil ein Großteil der Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer über Portfolioanlagen erfolgten und weniger über die zäheren ausländischen Direktinvestitionen.

Der volle Wahlkalender dürfte das politische Risiko hoch halten. Mexiko steht ein Regierungswechsel bevor, sollte der linke Flügel die Präsidentschaftswahlen gewinnen. Das könnte negative Auswirkungen auf mexikanische Schuldtitel haben. In Brasilien rechnen wir mit einer Koalition der Mitte und in Russland mit einer Fortsetzung der Doktrin von Präsident Wladimir Putin. Für Südafrika wird das Ergebnis der Konferenz der Partei African National Congress im Dezember entscheidend sein, während für Argentinien das Ergebnis der Zwischenwahlen in diesem Oktober von Bedeutung sein wird.

Alpha statt Beta

Die Kombination aus verbesserten makroökonomischen Fundamentaldaten, höheren Bewertungen, potenzieller Volatilität und politischen Ereignissen in den größeren Schwellenländern bedeutet, dass Anleger möglicherweise härter arbeiten müssen, um 2018 ansprechende Renditen zu finden. Damit die Renditeziele erreicht werden können, erwarten wir, dass sich der Fokus in den Schwellenländern weg von den Marktrenditen, dem Beta, als Ziel hin zu einer Suche nach mehr Alpha-Gelegenheiten verlagern wird.