Pioneer zur Finanzpolitik „Die EZB wird den Euro schwachreden“

Giordano Lombardo, Investment-Chef von Pioneer Investments (Foto: Stanislav Erman)

Giordano Lombardo, Investment-Chef von Pioneer Investments (Foto: Stanislav Erman)

// //

DAS INVESTMENT.com: Signor Lombardo, fast sechs Monate ist die neue US-Notenbankchefin im Amt. Wie beurteilen Sie das bisherige Auftreten von Janet Yellen?

Giordano Lombardo:
Für mich ist sehr interessant, über welche rhetorischen Fähigkeiten und Feinheiten Notenbankpräsidenten verfügen. Das gilt jetzt auch für Yellen. Sie ist schon lange in der Führungsebene der Fed. Wir kennen ihre Ansichten. Jetzt aber als deren Sprecherin gewinnt sie in der breiten Öffentlichkeit an Bekanntheit, und da wird eben jede Äußerung sehr genau verfolgt.

Wem ihrer Vorgänger ist sie rhetorisch näher, Alan Greenspan oder Ben Bernanke?

Sie hat die Orakel-Qualitäten eines Alan Greenspan. Sie spricht auch mehr über künftige Herausforderungen und bemüht weniger statistische Größen aus der Gegenwart. Etwa die Arbeitslosen oder Inflationsquote. Das würde aber auch so erwartet, bleibt aber sicher der größte Unterschied gegenüber ihrem Vorgänger Ben Bernanke.

Erwarten Sie einen Strategiewechsel der Fed?

Nein. Der ist auch gar nicht notwendig. Die Wirtschaft der USA durchläuft eine zyklische Erholung. Die sehen wir besonders im Immobilienbereich. Das Deleveraging ist dort abgeschlossen. Und wir erkennen eine positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Das sind aber auch keine wirklichen Überraschungen.

Erkennt der Markt diese Erholungen?

Der Aktienmarkt auf jeden Fall. Dennoch stehen derzeit eher geopolitische Risiken im Vordergrund, etwa die Lage in der Ukraine. Da wird weniger auf nationale Erholungen geschaut. Das wird sich ändern, und schon bald wird sich der Markt wieder mit einer möglichen Zinserhöhung in den USA und entsprechenden Herausforderungen am Rentenmarkt beschäftigen.

Was fehlt der US-Wirtschaft?

Investitionen auf Unternehmensseite. Da zeigen sich nur sehr zögerliche Verbesserungen, und das ist das derzeitige Manko im Verlauf dieses ökonomischen Zyklus.

Was ist für Sie der derzeit größte Unterschied zwischen den konjunkturellen Befindlichkeiten der USA im Vergleich zu Europa?

Die wirtschaftliche Stärke ist der große Vorteil der USA. Das liegt an zwei Phänomenen: Sowohl die Fiskal- als auch die Geldpolitik in den USA war nach der Krise deutlich aggressiver als in Europa.

Hier in Europa hat man sich auf sehr Euro-relevante Themen beschränkt und einen Fiskalpakt geschlossen. Da sind die USA viel weiter gegangen. Die USA haben den Markt mit Liquidität geflutet, und die Flut brachte Vermögenseffekte mit sich.

In Europa gab es die bekannte Draghi-Rede, dass man alles unternehmen werde, damit die Eurozone nicht auseinanderfällt. Es ist aber kein einziger Euro geflossen. Es waren Worte. Aber Worte allein werden wenig substanziellen Unterschied machen. Sie sehen das ja auch aktuell. Die Bilanzsumme der EZB nimmt ab. Die Fed kauft zwar weniger Anleihen, die Bilanzsumme steigt jedoch nach wie vor.