Populäre Investmentirrtümer: „Diversifikation über verschiedene Asset-Klassen schützt“

Fondsmanager Philipp Magenheimer von Wave Management

Fondsmanager Philipp Magenheimer von Wave Management

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Im Laufe eines Anlegerlebens macht man früher oder später Bekanntschaft mit dem Grundprinzip vernünftiger Kapitalanlage, der Mischung und Streuung zur Minimierung von Risiken, im Fachjargon als Diversifikation bezeichnet.

Oft begegnet uns das Prinzip der Diversifikation in Form der Portfoliotheorie aus den 1950er Jahren. Diese auf US-Ökonom Harry Markowitz zurückgehende Theorie beschäftigt sich mit der Konstruktion von risikooptimalen Portfolios, wofür er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.


Nobelpreisträger Harry Markowitz

Das Grundprinzip bekommt jeder Bank-Azubi bereits im ersten Lehrjahr vermittelt: Langfristig entwickeln sich Aktien immer überdurchschnittlich positiv, schwanken in ihrer Wertentwicklung jedoch bisweilen deutlich.

Durch Beimischung von anderen Asset-Klassen (Staatsanleihen, Immobilien, Rohstoffen) lässt sich diese Schwankung verringern, ohne übermäßige Renditeeinbußen verkraften zu müssen. So die Theorie.

Auf diese Weise konstruieren pfiffige Bankberater landauf, landab bunte Musterdepots, die eine maßgeschneiderte Vermögensverwaltung für jeden erdenklichen Anlegertyp nahelegen. Die Strategie hätte jahrzehntelang auch gute Ergebnisse erzielt, spätestens seit Ende der 1990er Jahre wären Anleger von diesem Ansatz jedoch bitter enttäuscht worden.

Natürlich muss man die langfristige Ausrichtung der Portfoliotheorie bedenken. Wie schnell ein jahrzehntelanger  Zeithorizont nach dem Motto „Ich bin jung, ich habe Zeit und kann Wertschwankungen aushalten“ zusammenschrumpft, lässt sich immer dann beobachten, wenn sich einige Verlustjahre aneinander reihen. Entnervt werfen viele Anleger das Handtuch, bleiben auf ihren Verlusten sitzen und schmähen die Diversifikation als nutzlos. Zu Unrecht.

Grenzen der Markowitz’schen Theorie

Wer aber denkt, man müsse nur stoisch nach immer gleichen Gewichtungen Aktien und Anleihen im Depot kombinieren, irrt. Dazu muss man wissen, dass Harry Markowitz die Theorie im Rahmen seiner Doktorarbeit aufgestellt hat, in der er die Wertentwicklung und den Zusammenhang verschiedener Asset-Klassen zueinander für einen rückwärtigen Zeitraum untersuchte.

Markowitz und seine Mitstreiter gruppierten dazu diverse Anlagevehikel in sogenannte Asset-Klassen. Auf diese Weise entstand zum Beispiel die Anlageklasse  „Aktien“, die die seinerzeit hochpreisigsten Aktien von US-Unternehmen enthielt oder die Asset-Klasse „Anleihen“, die aus Staatsanleihen bestand. Nur so konnte die Untersuchung durchgeführt und ausgewertet werden.

Er kam dabei zu dem Schluss, dass hinsichtlich der Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen kein hundertprozentiger Zusammenhang besteht, das heißt die Korrelationen nicht perfekt sind – Grundvoraussetzung für das Funktionieren der Diversifikation über Anlageklassen.

Weiterhin unabdingbar:
  • verlässliche Wertschwankungen ( = konstante Volatilitäten),
  • Aktien, die langfristige Überrenditen erzielen,
  • ein risikoloser Zins, zu dem beliebig angelegt oder geliehen werden kann und
  • effiziente Kapitalmärkte an denen rational denkende und handelnde Personen agieren.
Machen wir den Praxischeck stellen wir fest, dass Korrelationen entgegen der Erwartung seit Jahren ansteigen. Ein Wert von annähernd 0,9 für den Zusammenhang zwischen Euro Stoxx 50 und dem Weltaktienindex MSCI World belegt eine fast schon perfekte Korrelation. Für Anleger ergäbe sich daher kein Vorteil im Sinne der Risikominimierung, den europäischen Aktien noch globale Titel beizumischen.

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