Potential in Südamerika Brasilien kann stärker wachsen

Mark Mobius

Mark Mobius

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Mark Mobius und sein Team reisten im Februar nach Brasilien, um direkt vor Ort einen Eindruck von den Geschäfts- und Wirtschaftsbedingungen zu gewinnen. Sie hatten auch Gelegenheit, nach Feierabend an einigen Karnevalsfestivitäten teilzunehmen, was sie auch die Stimmung unter den Menschen dort erleben ließ. Es freut Mobius sagen zu können, dass Brasilien zwar ganz gewiss Probleme hat, die es zu lösen gilt, er in Hinsicht auf den Investmentausblick für das Land aber etwas optimistischer geworden ist als noch vor sechs Monaten – und das liegt zum Teil auch daran, dass alle Anderen so pessimistisch scheinen. Wie der verstorbene John Templeton einst sagte: „Zu kaufen, wenn andere verkaufen, und zu verkaufen, wenn andere kaufen – das verlangt großen Mut, macht sich aber bezahlt.“ Als Anleger gegen den Trend suchen Mobius und sein Team nach individuellen Gelegenheiten in Schwellenmärkten, die andere meiden, in denen aber ihrer Meinung nach Potenzial besteht – wie zum Beispiel in Brasilien.

Die Presse stellte Brasilien in den letzten Jahren aus vielerlei Gründen ein schlechtes Zeugnis aus. Da gab es die Kritik und die Proteste im Zusammenhang mit der FIFA Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr (vor allem aufgrund der Kosten und Vorbereitungen), umstrittenen Wahlen, die vom Tod eines Top-Kandidaten und einer knappen Wiederwahl Dilma Rousseffs im Oktober geprägt waren, und ein jüngster Korruptionsskandal bei einem führenden Ölunternehmen im Land. Das alles sind wichtige Gründe dafür, weshalb Mobius nicht nur vom Wert eines Bottom-up Verfahrens zur Auswahl von Aktien in Schwellenmärkten überzeugt ist, sondern auch von einer aktiven Verwaltung. Da er an keine Benchmark gebunden ist, kann er etwas flexibler agieren. Mobius und sein Team sind zwar primär gegenläufige, wertorientierte Anleger, was aber nicht bedeutet, dass sie auch automatisch Titel kaufen oder bestehende Positionen erweitern, nur weil der Kurs gefallen ist. Sehen sie größere Probleme und keinen langfristigen Wert, schauen sie sich nach etwas anderem um. Ihr Ansatz erlaubt ihnen hinweg zu blicken über kurzfristige Marktschocks oder negative Stimmung, die den ganzen Markt in den Keller zieht. So können sie sich auf Unternehmen konzentrieren, die ihrer Meinung nach überleben und langfristig gedeihen werden. Der Schlüssel ist Geduld.

Positive Folgen von Marktschocks, wie dem Korruptionsskandal in Brasilien, sind die größere Transparenz und Reformen, die normalerweise darauf folgen. Mobius und sein Team investieren seit Jahrzehnten in Brasilien und hatten schon immer das Gefühl, dass sich staatliche Unternehmen bezüglich Corporate Governance schwer taten. Sie hoffen, dass die erhöhte Aufmerksamkeit, die dem Thema Korruption zukommt, zu Veränderungen bei Unternehmen und Reformen in der Politik führen wird. Es stimmt sie zuversichtlich, dass die Staatsanwaltschaft in Brasilien die der Korruption Verdächtigten verfolgt und Maßnahmen ergreift. Dabei sei Brasilien nicht das einzige Land mit diesen Problemen. Korruption ist eines der größten Probleme, die ihnen als Anlegern überall auf der Welt begegnen – auch in den fortschrittlichsten Märkten.