Pro & Contra Aktien Frankreich: Crème de la Crème oder einfach nur Tristesse?

Thomas Böckelmann, Manager des Euroswitch Substantial Markets OP (links), argumentiert gegen Igor de Maack, Manager des DNCA Invest Convertible

Thomas Böckelmann, Manager des Euroswitch Substantial Markets OP (links), argumentiert gegen Igor de Maack, Manager des DNCA Invest Convertible

Etwas mehr als ein Jahr ist nun vergangenen, seit die terroristische Anschlagsserie von Paris nicht nur Frankreich, sondern die ganze westliche Welt erschütterte. In vielen Köpfen sind die schrecklichen Bilder immer noch präsent. Bislang scheint die französische Seele nicht zur Ruhe gekommen zu sein. Mit immer neuen Maßnahmen versucht die Regierung die Ängste der Franzosen zu lindern. So wurde ein nach den Anschlägen auf den Weg gebrachtes Anti-Terrorgesetz weiter verschärft, um Ermittler mit noch mehr Kompetenzen auszustatten.

Ohnehin hat es die Staatsführung schwer, es den Bürgern recht zu machen. Besonders in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Wenngleich die Streikfreudigkeit französischer Arbeitnehmer schon fast ein Kulturgut ist, erreichen die Proteste gegen die Versuche des Staates, soziale Errungenschaften der Vergangenheit aufzuweichen, neue Dimensionen. So brannten im Frühsommer aus Wut gegen geplante Arbeitsmarkt-Reformen sogar einige Raffinerien des Landes.

Dabei sind Reformen auf breiter Front nötiger denn je. Gerade weil Europas zweitgrößte Volkswirtschaft dem Wachstum Deutschlands seit Langem hinterher läuft, scheint ein Umdenken in den Köpfen unausweichlich. Der nach wie vor marode Staatsapparat, die zentralistische Verwaltung sowie hierarchische Unternehmensstrukturen schwächen Frankreichs wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zusätzlich.

Dennoch hat es die Grande Nation geschafft, im dritten Quartal in die Wachstumsspur zurückzufinden. Um 0,2 Prozent ist die Wirtschaftsleistung gestiegen, was allerdings deutlich hinter den Erwartungen liegt. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat jüngst ihre Warnung vor einer Abstufung der Kreditbewertung Frankreichs aufgehoben. Der Ausblick wurde von zuvor „Negativ“ auf nunmehr „Stabil“ angehoben.

Ob dies so bleibt, wird wohl auch von den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr abhängen. Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National werden gute Chancen eingeräumt. Falls sie in das höchste Staatsamt Frankreichs gewählt wird, würde Nationalismus und Protektionismus à la Donald Trump wohl auch in Europa Einzug halten.

Vielleicht können französische Aktien dann durchstarten. Daran glaubt zumindest – unabhängig vom Wahlausgang – Igor de Maack. Der Manager des DNCA Invest Convertible kann vor allem französischen Standardwerten eine Menge abgewinnen. Viele Großunternehmen sind seiner Meinung nach in ihren Branchen weltweit führend und im globalen Wettbewerb gut positioniert. Außerdem stehe es um die französische Wirtschaft gar nicht so schlecht wie vielfach dargestellt – nicht zuletzt aufgrund des stabilen Bankensystems und Immobilienmarktes.

Thomas Böckelmann, Manager des Euroswitch Substantial Markets OP, malt hingegen ein düsteres Bild von Frankreichs Wirtschaft. Wurzel allen Übels sei die französische Reformunwilligkeit. Daran sollte auch ein Regierungswechsel im kommenden Jahr nichts ändern. Abgesehen von einigen wenigen Titeln mit im internationalen Kontext überdurchschnittlichen Chancen hält er den französischen Aktienmarkt insgesamt bis auf weiteres für unattraktiv.

Quelle: Bloomberg, Stichtag: 30. November 2016