Pro & Contra Fintech-Aktien: Must-Have fürs Depot oder überflüssiges Mode-Investment?

Shareholder-Value-Vorstand Frank Fischer (links) argumentiert gegen Georg Oehm, Berater des Mellinckrodt German Opportunities | © Christian Scholtysik / Patrick Hipp (l.); Wonge Bergmann

Shareholder-Value-Vorstand Frank Fischer (links) argumentiert gegen Georg Oehm, Berater des Mellinckrodt German Opportunities Foto: Christian Scholtysik / Patrick Hipp (l.); Wonge Bergmann

„Aus, Schluss, vorbei“ heißt es Ende März für das analoge Antennen-Fernsehen in Deutschland. Wer dann über keinen DVB-T2-Receiver für einen digitalen Empfang verfügt, bei dem bleibt der Bildschirm schwarz. Dies ist nur eines von vielen Beispielen für den unaufhaltsamen Wandel vom analogen zum digitalen Zeitalter. Digitalisierung ist in den meisten Lebens- und Wirtschaftsbereichen auf dem Vormarsch und macht auch vor Banken und Investmentgesellschaften nicht halt.

Dass das Anlage- und Bankgeschäft einmal überwiegend von zu Hause aus online stattfinden wird, hätte noch vor zehn Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Zwar sind wir an diesem Punkt noch nicht vollständig angekommen, es entwickelt sich aber alles dorthin. Aus der Mode wird deshalb wohl bald auch das persönliche, also „analoge“ Gespräch mit dem Berater vor Ort sein. Automatisierte Beratung und technische Abwicklung lautet die neue digitale Zauberformel. Dies betrifft vielfältige Bereiche der Finanzwirtschaft wie Zahlungsverkehr, Kreditvergabe, Versicherungen und Geldanlage.

Die steigende Akzeptanz auf Seiten der Verbraucher hat dazu geführt, dass mittlerweile in Deutschland insgesamt über 400 Fintech-Unternehmen am Markt zu finden sind. Nach Angaben des Bundesministeriums der Finanzen nutzten Ende 2015 bereits 1,2 Millionen Menschen in Deutschland digitale Dienstleistungen zur Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen. In den Segmenten Finanzierung und Vermögensmanagement kam so ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro zusammen.

Bis zum Jahr 2020 rechnet das Ministerium mit einem Anstieg auf 58 Milliarden Euro und bis 2025 sogar auf 97 Milliarden Euro. Kein Wunder. Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Accenture hat ergeben, dass sich bereits sieben von zehn Verbrauchern robotergestützte Services zum Beispiel bei der Kontoeröffnung, der Ruhestandsplanung oder der Kapitalanlage wünschen.

Ob die Revolution im Finanzsektor tatsächlich stattfinden wird und Fintechs die klassischen Kreditinstitute letztendlich ersetzen werden, bleibt abzuwarten. Untersuchungen der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge ist ein Großteil der Fintech-Firmen gar nicht darauf aus, etablierte Finanzinstitute überflüssig zu machen. Im Gegenteil: 86 Prozent der befragten Fintechs hätten angegeben, mit klassischen Banken und Versicherungen kooperieren zu wollen.

Trotz des hohen Zuspruchs für die Finanztechnologieunternehmen stellen sich auch die Verbraucher eher ein Miteinander als ein Gegeneinander vor. Nach Accenture-Angaben hoffen zwei Drittel der Befragten in Zukunft auf eine ausgewogene Balance zwischen Mensch und Maschine – und dies vor allem bei Beschwerden und komplexen Produkten wie Hypotheken. Das Financial Planning Standards Board Deutschland ist sogar der Meinung, dass sich über Roboter niemals fundierte Risiko-Profile und individuelle Finanzpläne erarbeiten lassen werden. Das bleibt abzuwarten.

„Ausgang offen“, so sieht es auch Frank Fischer, Manager des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen. Sich einlassen auf das Neue und gespannt auf das schauen, was noch kommen wird, lautet seine Devise. In Fintechs, die bei günstigen Bewertungen dynamisch wachsen, erkennt er durchaus gute Gelegenheiten, um in den Markt der jungen aufstrebenden Finanzunternehmen einzusteigen.

Georg Oehm, Berater des Mellinckrodt German Opportunities, wartet hingegen lieber erst einmal ab. Für ihn werden viele Newcomer der digitalen Finanzbranche auch schnell wieder vom Markt verschwinden. Außerdem hätten Investoren zu wenig die Unternehmen anderer Branchen im Blick, denen der Trend zur Digitalisierung ebenfalls hervorragende Perspektiven biete.