Pro & Contra Börse Argentinien: Weiter feuriger Tango oder zurück in den Slowfox?

Ivo Luiten, Manager des NN Latin America Equity (rechts), argumentiert gegen Xavier Hovasse, Manager des Carmignac Emergent

Ivo Luiten, Manager des NN Latin America Equity (rechts), argumentiert gegen Xavier Hovasse, Manager des Carmignac Emergent

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Der argentinische Aktienmarkt hat in den vergangenen zehn Jahren eine flotte Sohle auf das Börsenparkett gelegt – 650 Prozent beträgt das Kursplus in diesem Zeitraum. Der größte Anstieg erfolgte zwischen Mitte 2013 und Herbst 2015, als sich das Börsen-Barometer Merval mehr als verdreifachte. Nach der Wahl von Mauricio Macri zum neuen argentinischen Staatspräsidenten im November 2015 ist der Börsen-Tango in Buenos Aires allerdings etwas aus dem Tritt geraten.

Dabei wurden schon im Wahlkampf große Hoffnungen in den ehemaligen Vorsitzenden des legendären Fußballclubs Boca Juniors gelegt, das Land aus dem wirtschaftlichen Abwärtstrend zu führen. Und den schwelenden Streit mit den Gläubigern um die Rückzahlung von Staatsschulden nach der Pleite im Jahre 2001 zu beenden und damit Argentinien endlich wieder den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt zu verschaffen. Sein wichtigstes Wahlversprechen hat Macri schnell eingelöst, indem er Anfang März einem Vergleich zustimmte, umgerechnet 4,25 Milliarden Euro an einen Kreis von Gläubiger-Hedgefonds unter der Führung der Beteiligungsgesellschaften Elliott und Aurelius zu zahlen.

Diese erhalten damit von dem überschuldeten Land rund 75 Prozent ihrer ursprünglich geforderten Summe. Während die meisten Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichteten, hatten diverse Hedgefonds gezielt Verbindlichkeiten Argentiniens erworben, um die Rückzahlung dann gerichtlich durchzusetzen. Die bisherige Staatspräsidentin Cristina Kirchner wehrte sich stets erfolgreich dagegen, die insgesamt etwa 14 Milliarden Euro zu begleichen.

Nicht nur aufgrund der Schuldenaffäre stand Kirchner, die nach zwei Amtsperioden nicht mehr wiedergewählt werden durfte, politisch stark unter Beschuss. Ihre ausgabengetriebene Sozial- und Wirtschaftspolitik hat die abermalige Staatspleite 2014 maßgeblich mit verursacht. Um die Vermögens- und Kaufkraftverluste der seit Jahren hohen Inflation auszugleichen – zuletzt stiegen die Verbraucherpreise um fast 30 Prozent –, wurden die Sozialausgaben und Löhne ebenfalls kontinuierlich angehoben.

Zur Finanzierung der künstlich hoch gehaltenen Stimmung hat Kirchner im letzten Jahr sogar teure Devisenkredite in China aufgenommen. Es herrscht also gute Laune auf Pump – trotz der leeren Haushaltskassen. Aber das ist ja keine neue Situation für Argentinien, das 2014 bereits zum achten Mal in den Bankrott gehen musste. Immer wieder hat sich die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas aufgerappelt.

Vielleicht ist diese Steh-auf-Mentalität einer der Gründe, warum sich Investoren nicht davon abschrecken lassen, ihr Geld in argentinische Aktien zu stecken. Beim Blick nach vorne fallen zumindest einige positive Punkte auf. Neben der bereits erfolgten Einigung im Schuldenstreit will Staatspräsident Macri unter anderem die Wirtschaftspolitik liberalisieren, einen freien Devisenhandel durchsetzen, die marode Infrastruktur sanieren und die Kosten für die Staatsfinanzierung senken.

Ob dem neuen Regierungschef all das gelingt, bleibt nach Ansicht von Ivo Luiten abzuwarten. Für den Manager des NN Global Emerging Markets Fund müsse Macri erst unter Beweis stellen, dass er die erforderlichen ökonomischen Anpassungen tatsächlich umsetzen und gleichzeitig die soziale und politische Stabilität wahren kann. Die Vorschusslorbeeren vieler Investoren hätten dazu geführt, dass argentinische Aktien derzeit überbewertet seien.

Dass Argentinien den wirtschaftlichen Turnaround kaum aus eigener Kraft schaffen kann, sieht auch Xavier Hovasse. Der Manager des Carmignac Emergent ist angesichts der von Präsident Macri angestoßenen Reformen jedoch davon überzeugt, dass das Land wieder besseren Zeiten entgegensieht und der Weg geebnet ist für ein wieder größeres Vertrauen bei internationalen Investoren. Vieles hänge aber vom Fingerspitzengefühl der neuen Regierung in Bezug auf die Dosierung wirtschaftspolitischer Instrumente ab.



Quelle: Bloomberg