Pro & Contra Börse China: Bulle mit Ausdauer oder Drache ohne Puste?

Fabrice Jacob, Manager des LFP JKC Asia Value & Ashish Goyal, Manager des NN Greater China Equity

Fabrice Jacob, Manager des LFP JKC Asia Value & Ashish Goyal, Manager des NN Greater China Equity

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Der Kurseinbruch an den chinesischen Festlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen kam für viele überraschend. Obwohl einem zuvor schon etwas schwindelig werden konnte bei Kurssteigerungen von 150 Prozent innerhalb eines Jahres. Mitte Juni war es dann mit der Herrlichkeit erst einmal vorbei: Über drei Wochen hinweg drängten die Notierungen mit Macht nach unten, der Shanghai Composite Index verlor bis zu 45 Prozent.

Nichts schien die Kurse auf ihrem Weg nach unten aufhalten zu können, auch nicht die Eingriffe von offizieller staatlicher Seite. Jegliche Interventionen von außen verpufften relativ schnell und konnten die Märkte nur sehr kurz beruhigen. Als letzte Rettung ordnete die Wertpapieraufsicht an, dass Besitzer von Beteiligungen von mehr als 5 Prozent an einem Unternehmen diese Papiere ein halbes Jahr lang nicht verkaufen dürfen. Zudem wurden eine ganze Reihe von Aktien gänzlich vom Handel ausgesetzt. Das konnte den Abwärtstrend zunächst stoppen. In Shanghai legte der Index zwischenzeitlich wieder um 18 Prozent zu, in Shenzhen sogar um 25 Prozent.



Wer jedoch geglaubt hatte, jetzt würde wieder alles bergauf gehen, wurde Anfang dieser Woche eines Besseren belehrt. Nachdem viele chinesische Unternehmen unbefriedigende Quartalszahlen meldeten, verlor der Shanghai Composite über 8 Prozent – der größte Tagesverlust seit 2007. Sofort schaltete sich wieder die Börsenaufsicht ein und kündigte weitere Stützungskäufe an, woraufhin sich das Geschehen prompt wieder beruhigte. Sogar eine Sonderkommission wurde einberufen, die einem „konzentrierten Ausstieg aus Aktien“ nachgehen soll.

Bislang machten Beobachter für die drastischen Verluste der in Shanghai und Shenzhen gehandelten A-Aktien vor allem die Verkäufe chinesischer Privatinvestoren verantwortlich. Viele von ihnen hatten sich zuvor dem Aktiengeschäft zugewandt, nachdem die Aussichten auf Gewinne am Immobilienmarkt immer schlechter wurden. Dabei sollen auch in großem Stil Käufe auf Kredit stattgefunden haben.

Doch nun werden auch vermehrt ausländische Investoren verdächtigt, für die Verkaufswelle verantwortlich zu sein. Seit die chinesische Führung im Sommer vergangenen Jahres die Börsen in Shanghai und Shenzhen ein ganzes Stück weit geöffnet hat, fließt zunehmend ausländisches Kapital in die A-Aktien. Gleichwohl: Noch sollen sich 90 Prozent des Aktienkapitals dieser beiden Märkte in den Händen privater chinesischer Investoren befinden.

Doch wie geht es nun weiter? Fabrice Jacob, Manager des LFP JKC Asia Value, sieht ausländische Investoren an den chinesischen Aktienmärkten deutlich unterrepräsentiert und China in globalen Portfolios und Indizes stark untergewichtet. Er glaubt deshalb an ein immenses weiteres Kurspotenzial für A-Aktien und die in Hongkong gehandelten H-Aktien chinesischer Unternehmen. Der Gründer der in Hongkong ansässigen und zum französischen Vermögensverwalter La Francaise gehörenden JK Capital Management ist zudem von den Finanzreformen überzeugt, die die chinesische Führung angestoßen hat.

Weniger Optimismus versprüht Ashish Goyal. Der Manager des NN Greater China Equity blickt nicht nur kritisch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, sondern auch auf die Geldpolitik der chinesischen Währungshüter. Zwar schließt Goyal steigende Aktienkurse an den China-Börsen nicht aus. Er sieht dafür aber eher den politischen Willen der Regierung ausschlaggebend, hohe Notierungen mit aller Macht halten zu wollen.