Pro & Contra Bundesanleihen: Fels in der Brandung oder bröckelnde Sandburg?

Uwe Pyde, Manager des Bantleon Yield, und Jürgen Jann, Manager des Walser Vermögensverwaltung Strategie Plus

Uwe Pyde, Manager des Bantleon Yield, und Jürgen Jann, Manager des Walser Vermögensverwaltung Strategie Plus

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Wie sich doch die Zeiten ändern: Während deutsche Bundesanleihen heute kaum noch oder gar keine Zinsen mehr abwerfen, waren sie lange Zeit Garanten für sichere Einnahmen. Scheinbar mühelos ließ sich mit ihnen nicht nur ein Inflationsausgleich, sondern darüber hinaus auch eine solide Grundverzinsung erzielen. Kein Wunder, dass sie von vielen als risikoloser Zins angesehen wurden.

Schließlich gilt die Bundesrepublik mit ihrer Top-Bonität seit jeher als einer der sichersten Schuldner überhaupt. Da verwundert es ebenso wenig, dass die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen als sicherer Hafen über lange Zeit konstant hoch blieb. Da die meisten Bundesanleihen an der Börse gehandelt werden, machte sich die steigende Nachfrage in höheren Notierungen bemerkbar. Über Kursgewinne ließ sich also mit ihnen über die Zinsen hinaus zusätzlich trefflich Geld verdienen.

Auch die Notenbanken – erst die Bundesbank, dann die EZB – leisteten ihren Beitrag zur Erfolgsgeschichte deutscher Staatsanleihen. Denn im Zuge einer expansiven Geldpolitik senkten sie die Leitzinsen immer weiter ab. Das erhöhte noch die Attraktivität bereits begebener Anleihen, da sie über dem jeweiligen aktuellen Marktniveau verzinst wurden. Das Ergebnis war ein über 30 Jahre andauernder Bullenmarkt für Bundesanleihen.

Dieser gipfelte darin, dass so mancher Anleger sogar bereit war, bei deutschen Staatspapieren auf Zinsen gänzlich zu verzichten. Seit dem Frühjahr liegen die Renditen von Bundesanleihen in vielen Laufzeitsegmenten sogar im negativen Bereich. Zur Jahresmitte wies nahezu jedes zweite ausstehende Papier Negativrenditen aus – und zwar nicht nur real, also nach Abzug der Inflationsrate, sondern auch nominal.

Damit erfüllen Bundesanleihen nicht länger ihre traditionelle Rolle als sicherer Ertragsbringer. Doch das passt ins Bild der neuen Normalität an den Finanzmärkten. Anleger scheinen sich nun daran gewöhnen zu müssen, dass das Risiko auch an den Rentenmärkten zunimmt. Bestes Beispiel hierfür ist der Flash-Crash, der im April den europäischen Anleihemarkt in nur wenigen Tagen kräftig durchgeschüttelt hat.

Zeitweilig schnellten die Kurse drastisch herunter und im Gegenzug die Renditen herauf – bei zehnjährigen Bundesanleihen sogar um das Zehnfache bis auf mehr als ein Prozent. Über Nacht hatten deutsche Staatspapiere quasi Zockerqualitäten. Die meisten Marktteilnehmer wurden von diesem Mini-Erdbeben überrascht. Obwohl Experten schon länger gewarnt hatten, dass dem Anleihemarkt solche Entwicklungen drohen können.

Mittlerweile haben sich die Wogen wieder geglättet. Eine Trendwende in Richtung steigender Renditen ist bislang ausgeblieben. Im Gegenteil: Bunds, wie deutsche Bundesanleihen von Marktteilnehmern auch gerne genannt werden, stehen weiter auf den Kauflisten. Die gestiegene Nachfrage hat die Renditen jüngst wieder etwas gedrückt, zehnjährige Papiere werfen aktuell gut 0,6 Prozent ab.

Für nachhaltig steigende Renditen kann wohl nur eine Zinsanhebung durch die EZB sorgen. Die allerdings steht nach wie vor in weiter Ferne. Einen Lackmustest hätte die mittlerweile seit zwei Jahren angekündigte Zinswende in den USA liefern können. Doch die jüngsten Entwicklungen in der Welt- und Finanzwirtschaft haben Fed-Chefin Janet Yellen vergangene Woche mal wieder dazu veranlasst, die Füße still zu halten und die US-Leitzinsen weiter bei nahe Null zu belassen.

Risiken für Bundesanleihen sieht auch Jürgen Jann. Der Manager des Walser Vermögensverwaltung Strategie Plus misst ihnen unter dem Strich aber nicht zu viel Bedeutung zu. Grundsätzlich bleiben von der Bundesrepublik Deutschland emittierte Anleihen für ihn ein solides Absicherungsinstrument gegen die Risiken anderer Anlagen wie Aktien und Hochzinsanleihen.

Im aktuellen Umfeld weniger überzeugt von den risikominimierenden Eigenschaften ist Uwe Pyde. Eine gewisse Sicherheit billigt der Manager des Bantleon Yield Bundesanleihen zwar auch künftig zu. Den Glanz alter Tage als solide Ertragsbringer vermisst er dennoch sehr. Zusätzlichen Druck auf Staatsanleihen bonitätsstarker Schuldner sieht er von der anhaltenden konjunkturellen Erholung im Euroraum ausgehen.



Renditeverlauf von Bundesanleihen mit unterschiedlichen Restlaufzeiten seit September 2010