Protektionismus und höhere Staatsausgaben Das bedeutet Trump konkret für die Wirtschaft

Der designierte US-Präsident Donald Trump. Heißt es wohl demnächst für die USA Abschied vom Welthandel? | © Getty Images

Der designierte US-Präsident Donald Trump. Heißt es wohl demnächst für die USA Abschied vom Welthandel? Foto: Getty Images

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Nachdem sich die Ungewissheit rund um die US-Wahlen gelegt hat, müssen wir mit der Unsicherheit leben, ob und in welcher Weise die Wahlkampfäußerungen von Donald Trump sich letztendlich in politischen Veränderungen niederschlagen. Diese Unsicherheit verursacht eine anhaltende Volatilität der Aktienmärkte  - hier spielen die Handelspolitik und die zukünftige Zusammensetzung des Offenmarktausschusses eine besonders wichtige Rolle.

Für die Binnenwirtschaft versprach Trump insbesondere eine lockerere Haushaltspolitik in Form erhöhter Ausgaben für die Infrastruktur und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Steuersenkungen. Dies könnte als Grundlage für eine globale Steigerung der Nachfrage dienen. Größere Sorgen würde jedoch eine protektionistische Entwicklung des Handels bereiten – es scheint allerdings wahrscheinlicher, dass Trump sich von den extremeren Maßnahmen abwendet, die er in diesem Bereich geäußert hat. Werden die Wahlversprechen dagegen umgesetzt, werden sich die Vereinigten Staaten wahrscheinlich von einem regelbasierten Handel abkehren – mit weltweit weitreichenden Folgen.

Das sind einige der wichtigsten allgemeinen Risiken, die auf die Vereinigten Staaten und andere Länder weltweit zukommen dürften:

•    Steigende Risikoprämien aufgrund der politischen Unsicherheit; die Märkte könnten Episoden von Optimismus und Pessimismus aufweisen

•    Die Wahrscheinlichkeit einer protektionistischen Handelspolitik, die jedoch möglicherweise durch stimulierende Effekte von Steuersenkungen und höheren öffentlichen Ausgaben kompensiert werden könnte

•    Unternehmen, die in die USA exportieren, dürften unter einem stärkeren Protektionismus leiden

•    Mehr Kontrollen hinsichtlich der Zuwanderung und Freizügigkeit von Personen

•    Weniger Unterstützung der derzeitigen Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen (mit potenziell erheblichen Folgen für Länder wie Japan, Südkorea und Taiwan)

USA – Wachstumsfreundliche Politik

Die Republikaner, die nun sowohl die Exekutive als auch die Legislative in den USA bilden, sind auf eine wachstumsfreundliche Politik ausgerichtet. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit bedeutender haushaltspolitischer Anreize, aber auch eine Rückkehr zur Inflation. Der wachsende Populismus in den USA dürfte außerdem zu einer erhöhten Beteiligung der öffentlichen Hand in Infrastrukturprojekten und bei anderen Ausgaben führen - eine aggressivere Haushaltspolitik nach acht Jahren gedrosselter Ausgaben. Allerdings ist noch offen, wie diese stimulierenden Maßnahmen finanziert werden sollen und welche Folgen dies auf das Haushaltsdefizit haben wird. Eine lockere Haushaltspolitik würde wahrscheinlich die Inflation in den USA fördern – mit positivem Effekt für bestimmte Anlagen.

•    Eine steigende Inflation würde eine Verlagerung weg von Anleihen und hin zu Aktien auslösen, wenn die Leitzinsen schließlich beginnen, von Null ausgehend zu steigen und am langfristigen Ende der Renditekurve schließlich das höhere Inflationsrisiko eingepreist wird.

•    Eine steigende Inflation wäre wahrscheinlich besonders positiv für zyklische Aktien, insbesondere in den Sektoren Infrastruktur, Banken und harte Rohstoffe.

•    Wenn die Auslandsgewinne von US-Unternehmen heimgeholt würden, wäre dies gut für die Stimmung an den Börsen. Sie würde sich positiv auf viele multinationale Konzerne und die Märkte insgesamt auswirken – jedoch auch negative Folgen für andere Länder haben, die derzeit als Steuerparadiese fungieren.