Reaktionen auf US-Handelspolitik „Die Börsen haben das richtige Gespür“

Leistungsbilanzsalden: USA und China befinden sich im Handelsstreit. (Quelle: IMF) | © Assenagon

Leistungsbilanzsalden: USA und China befinden sich im Handelsstreit. (Quelle: IMF) Foto: Assenagon

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Martin Hüfner, Assenagon

Wer einen Streit anzettelt, muss davon überzeugt sein, dass er erstens für die richtige Sache kämpft und dass er zweitens die Auseinandersetzung auch gewinnen kann. Am Anfang schien das bei den handelspolitischen Maßnahmen des amerikanischen Präsidenten auch der Fall gewesen zu sein. Vollmundig verkündete er, dass ein Handelskrieg gut für Amerika sei und dass er leicht zu gewinnen sei. Inzwischen mehren sich aber Zweifel.

Natürlich geht die Anhebung von Einfuhrzöllen schnell und bedarf keiner mühsamen Verhandlungen mit dem Kongress. Man kann auch leicht argumentieren, dass sie zu mehr Wachstum führt. Denn die einheimischen Firmen können mehr produzieren. Sie verdienen mehr und können auch neue Jobs schaffen. Das Handelsbilanzdefizit geht zurück, weil weniger importiert wird.

„Voodoo Economics“

Das alles klingt überzeugend. Nur leider ist es nicht richtig oder besser: Nur ein Teil der Wahrheit. In den USA würde man das „Voodoo Economics“ nennen. Wenn man das Ganze nämlich zu Ende denkt, kommt genau das Gegenteil heraus: die Erhebung von Zöllen schadet den USA mehr als sie ihnen nutzt.

Erstens darf man nämlich nicht nur die Unternehmen betrachten, sondern muss auch die Verbraucher berücksichtigen. Dann sieht die Bilanz schlechter aus. Denn die amerikanischen Verbraucher sind bei einer Zollerhöhung keine Gewinner, sondern Verlierer. Die Güter, die sie kaufen, werden teurer. Ihre Kaufkraft verringert sich.

»Die Erhebung von Zöllen schadet den USA mehr als sie ihnen nutzt.«

Volkswirtschaftlich gesehen kommt es zu einer Umverteilung zugunsten der Unternehmen und zu Lasten der Konsumenten. Das kann nur dadurch ausgeglichen werden, dass die Unternehmen den Verbrauchern etwas von ihren Gewinnen abgeben, wie einige das zum Beispiel bei der jüngsten Steuerreform getan haben. Es könnte allerdings sein, dass die Zunahme der Beschäftigung für einige Verbraucher wichtiger ist als der Verlust bei der Kaufkraft.

Zweitens geht das Leistungsbilanzdefizit der USA nicht zurück, sondern steigt. Denn makroökonomisch entspricht der Saldo der Leistungsbilanz immer der Differenz zwischen Investitionen und Ersparnis. Wenn der Fehlbetrag kleiner werden soll, dann geht das nur dadurch, dass mehr gespart beziehungsweise weniger investiert wird.

Beides erfordert eine restriktive Finanzpolitik, also das Gegenteil von dem, was in den USA durch die riesige Steuersenkung gerade geschieht. Wenn die Wirtschaftspolitik bei ihrem expansiven Kurs bleibt (was ich glaube), dann wird das Defizit größer. Auch in den 80er Jahren – in den Zeiten Ronald Reagans – ging das Leistungsbilanzdefizit nach oben (siehe Grafik oben).