Schwellenländer So gräbt der EDR-Manager den Markt nach guten Anlageideen um

Jean-Jacques Durand ist Spezialist für Schwellenländeranleihen

Jean-Jacques Durand ist Spezialist für Schwellenländeranleihen

Jean-Jacques Durand gehört wahrscheinlich zu den wenigen Gläubigern Venezuelas, denen beim Gedanken an sein Investment die Handflächen nicht feucht werden. Selbst wenn der Chaos-Staat in Südamerika Schulden streichen lassen müsste, wäre für den Manager von Edmond de Rothschild Asset Management noch immer ein Gewinn drin. „Der Kaufpreis muss nur so tief liegen, dass es sich trotz Ausfall oder Umschuldung noch rechnet“, sagt der Franzose.

Venezuela stellt mit 19 Prozent die größte Position im EdR Emerging Bonds, den Durand seit 2011 managt. Es folgt die ebenfalls nicht ganz problemfreie Türkei mit 13,8 Prozent. „Die langlaufende Venezuela-Anleihe bringt derzeit 19 bis 20 Prozent Rendite, und das Land zahlt bisher zuverlässig“, betont Durand. Mit Pokern, wie es die „FAZ“ vor einem Jahr unterstellte, hat das nicht viel zu tun. Eher mit kühlem Rechnen.

Im Schnitt zahlen Staaten 66% der Schulden zurück

Seit 1998 gab es 15-mal den Fall, dass Staaten um- oder entschulden mussten, hat Durant ausgewertet. Und im Schnitt gab es anschließend 66 Prozent der Schulden zurück – „Recovery Value“ heißt das dann, sehr frei übersetzt: Erholungsbetrag. Und so bestätigt Durand, ohne zu zucken, was inzwischen auf der Hand liegt: „Für mich gibt es keine schlechten Schuldner. Es ist alles nur eine Frage des Preises.“

Dieser Eigensinn, gepaart mit Gelassenheit und Geduld, führte dazu, dass der EdR Emerging Bonds seit Jahren seinen Vergleichsindex hinter sich lässt. Und welchen Index man auch nimmt, ob Staatsanleihen in Hart- oder Landeswährungen oder Unternehmensanleihen – Gemeinsamkeiten bei der Wertentwicklung lassen sich beim besten Willen kaum feststellen.