Rechtsanwalt erklärt Diese Folgen hat der Betrugsverdacht gegen P&R

Containerschiff: Die Verantwortlichen der Investmentgesellschaft P&R sollen ihre Anleger betrogen haben. | © Pixabay

Containerschiff: Die Verantwortlichen der Investmentgesellschaft P&R sollen ihre Anleger betrogen haben. Foto: Pixabay

Jan Schoop, GGV

Der Verdacht lag nahe: Nachdem die vorläufigen Insolvenzverwalter der mittlerweile fünf P&R-Gesellschaften mitgeteilt hatten, dass nur rund 618.000 als vorhanden oder vermietet in den Büchern stünden, sah die Staatsanwaltschaft München I sich veranlasst, am 11. Mai gegen frühere und heutige Geschäftsführer der P&R Gruppe ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdachts einzuleiten. Nach den mit Anlegern abgeschlossenen Kauf- und Verwaltungsverträgen hätten sich gut 1,6 Millionen Container in der Verwaltung von P&R befinden müssen. 

Nach Branchen- und Insiderinformationen bestehen zumindest Zweifel daran, dass wirklich rund eine Million. Container komplett aus dem Bestand verschwunden sein sollen. In ihrer Presseerklärung vom 17. Mai stützen die Insolvenzverwalter sich auf Angaben der Schweizerischen P&R Equipment & Finance Corp., von der mittlerweile bekannt wurde, dass sie selbst mit knapp 42 Prozent an der im Vereinigten Königreich ansässigen Blue Sky Intermodal Ltd. beteiligt ist. Im Verkaufsprospekt der P&R Transport Container GmbH wird die Blue Sky Intermodal Ltd. lediglich als eine von mehreren Container-Leasinggesellschaften genannt.

Nun ist die P&R Equipment & Finance Corp. nicht nur Verkäufer und Untermieter der Container, sondern über die Blue Sky Intermodal Ltd. auch selbst Containermanager. Das lässt vermuten, dass sich ein Teil der angeblich verschwundenen Container im Bestand dieses oder eines anderen Containermanagers befindet, mit dem die P&R Equipment & Finance Corp. zusammenarbeitet. Immerhin ist die Blue Sky Intermodal Ltd. beim Bureau International des Containers et du Transport Intermodal (BIC) mit den BIC-Codes SKIU und BSIU als Eigentümer zahlreicher Container aufgeführt.

„Dramatische Fehlentwicklung“

Die dramatische Fehlentwicklung lässt befürchten, dass die Verantwortlichen bei P&R seit mehreren Jahren ein Schneeballsystem betrieben haben: Die neu bei Anlegern eingenommenen Gelder sind womöglich nicht, wie versprochen, zum Kauf neuer Container, sondern zur Bezahlung von Garantiemieten bei älteren Programmen verwendet worden.

Dies begründet den Verdacht des Eingehungsbetruges, der sich schon daraus ergäbe, dass auch die erworbenen Container möglicherweise keinem individualisierten Anleger zugeordnet wurden. Sollte dies sich bestätigen, hätten die Verantwortlichen bei P&R gewusst, dass die Anleger niemals wirksam das Eigentum an den von ihnen bezahlten Containern erwerben würden.