Rechtsanwalt zur P&R-Insolvenz P&R – erste Vermittler erhalten Post vom Anlegeranwalt

Alexander Pfisterer-Junkert ist Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei BKL Fischer Kühne + Partner in München. | © BKL Rechtsanwälte

Alexander Pfisterer-Junkert ist Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei BKL Fischer Kühne + Partner in München. Foto: BKL Rechtsanwälte

Erstes Anspruchsschreiben eines Anlegers

Nur auf den Tag vier Wochen nach Bekanntwerden der P&R Insolvenzen hat es gedauert, da hatte einer unserer Mandanten bereits das erste Anspruchsschreiben einer Anlegerkanzlei in seiner morgendlichen Post. Gespickt mit diesseits bekannten Allgemeinplätzen und unter Auslassung des Sachbezugs, erläutert der Anlegervertreter auf neun Seiten, weshalb seiner Mandantschaft ein Schadenersatzanspruch aufgrund fehlerhafter Anlageberatung  zustehen soll. So sehr sich der Mandant ein zügiges Vorgehen des Anwaltes wünscht, so wenig rechtfertigt dies die offensichtlich mangelnde Beschäftigung mit dem jeweiligen Einzelfall; die Zeit muss man sich nehmen. Schließlich hatte der Kollege ganz übersehen, dass unsere Mandantschaft gar nicht Anspruchsgegner war.

Wenig Zeit nahmen sich auch die Insolvenzverwalter der insolventen P&R-Gesellschaften und warteten bereits mit einem ersten Zwischenbericht auf. Im Gegensatz zum oben skizzierten Vorgehen ist dieses Tempo hier sehr begrüßenswert, schließlich sind die Nachfragen nach dem weiteren Verlauf bei P&R von Anlegern und Vertrieben allgegenwärtig. Der Inhalt der am 17.04.2018 veröffentlichten Information konnte aber viele Fragen nicht beantworten. Im Gegenteil, es wurden viele neue Fragen aufgeworfen.

Risiko der persönlichen Haftung der Anleger

Zwar wird dem Anleger mitgeteilt, dass alle Beteiligten kooperieren, gefestigte Erkenntnisse aber wegen der noch nicht zusammengetragenen Informationen noch nicht gewonnen werden konnten. Auch wenn es grundsätzlich als sehr positiv zu werten ist, dass die Gläubiger bereits derart zeitnah über das Insolvenzverfahren unterrichtet werden, so stehen doch nun – und das ist sicherlich kein Vorwurf an die derzeit unter Hochdruck arbeitenden Insolvenzverwalter – mehr Fragen als Antworten im Raum.

Im Interesse aller Gläubiger und Anleger wollen die Insolvenzverwalter alles unternehmen, um etwaige Schäden und eine offenbar nun doch mögliche (theoretische) Haftung der Anleger zu vermeiden. So gehe man auf Seiten der Insolvenzverwalter aller Voraussicht nach nicht von Nachschusspflichten aus.  Auch wenn verständlich ist, dass zum aktuellen Zeitpunkt keine verbindlichen Aussagen zum weiteren Verlauf getroffen werden können, stimmt der verwendete Konjunktiv doch sehr nachdenklich. Schließlich sind vergleichbare Meldungen im Rahmen anderer Insolvenzen nicht unbekannt; im Ergebnis kam es dann jedoch häufig zu Ausschüttungsrückforderungen.

Keine Eigentümerstellung der Anleger

Bislang brauchten sich Anleger bei P&R mit solchen Themen nicht zu beschäftigen. Schließlich durfte man der Überzeugung sein, einen Container erworben zu haben, der einem Mittelrückflüsse aus eben über diesen Container erwirtschafteten Erträgen versprach. Diese Überzeugung dürfte nach dem Inhalt der jüngsten Pressemitteilung jedoch erheblichen Zweifeln gewichen sein. Ausweislich der Ausführungen vom 17.04.2018 erhielten wohl über 90 Prozent der Anleger kein Eigentumszertifikat, was per se nicht schädlich sein dürfte. Allerdings lassen sich – so die Verwalter weiter – Mieteinnahmen in den allermeisten Fällen den Anlegern nicht konkret zuordnen.

Letztere Feststellung – soweit sie sich verfestigen sollte – birgt ein gehöriges Maß an Dramatik, lässt sie doch vermuten, dass hier Kapital  in einen Topf floss und sodann an Anleger ausgekehrt wurde. Dies könnte dann aber zur Folge haben, dass es sich gar um eine gemeinsame Anlage im Sinne des Kapitalanlagengesetzbuch (KAGB) gehandelt haben könnte; eine entsprechende Prospektierung blieb aber bekanntermaßen aus.