Renten-Star Raphael Kassin: Venezuela ist besser als Brasilien

Raphael Kassin, Reyl Asset Management

Raphael Kassin, Reyl Asset Management

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DAS INVESTMENT.com: Sie sind für spektakuläre Wetten auf wenige Länder bekannt. Welche sind es gerade?

Raphael Kassin: 25 Prozent des Portfolios haben wir in der Ukraine und jeweils 10 Prozent in Venezuela und den Philippinen. Wegen einiger Zuflüsse sind wir erst zu 45 Prozent investiert.

DAS INVESTMENT.com: Venezuela? Mutig, mutig.

Kassin: Das scheint nur so. Wirtschaftlich und finanziell betrachtet ist das Land in guter Form. Es wäre in der Lage, sofort alle seine Schulden zu bezahlen. Bleibt nur das politische Problem, aber das haben wir ja in vielen exotischen Märkten. Präsident Hugo Chavez versetzt Anleger zwar in Panik. Aber er ist nicht dumm und hat für das, was er sagt und tut, durchaus seine Gründe. In Venezuela bekomme ich für eine fünfjährige Anleihe über 12 Prozent, in Brasilien mit dem auch recht schwierigen Präsidenten Lula nicht einmal 6 Prozent. Das macht die Entscheidung einfach.

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DAS INVESTMENT.com: Wann verkaufen Sie Ihre Positionen?

Kassin: Wir setzen bei jedem Kauf auch eine Zielmarke. Ist die erreicht, analysieren wir das ganze Investment noch einmal neu und entscheiden dann. Manchmal setzen wir aber auch gar keinen Zielkurs sondern wollen nur die hohen Kupons kassieren. Einen Stopp-Kurs nutzen wir aber immer – als Reißleine, falls die Position in die falsche Richtung geht.

DAS INVESTMENT.com: Nach knapp zwei Jahren bei Credit Suisse hat es Sie jetzt zu Reyl Asset Management verschlagen. Wie lange wollen Sie denn dort bleiben?

Kassin: Das ist eine gute Frage. Mein Vertrag hier läuft unbegrenzt. Ich würde also schon gerne sehr lange hier bleiben.

DAS INVESTMENT.com: Das haben Sie bei Credit Suisse auch gesagt.

Kassin: Das stimmt. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich dort für immer geblieben und hätte etwas aufgebaut. Es ist aber nicht nach mir gegangen.

DAS INVESTMENT.com: Was ist passiert?

Kassin: Credit Suisse hat sein Long-only-Geschäft an Aberdeen verkauft. Und deren Anlagestil passt nicht zu meinem. Sie beziehen sich bei Investments sehr stark auf die Benchmark. Ich dagegen bevorzuge viel Risiko und wenig Benchmark.

DAS INVESTMENT.com: Und Reyl Asset Management mag das?

Kassin: Ja. Wir passen in einigen Punkten zusammen. Reyl Asset Management ist noch klein, wächst aber zügig, und hat die Vision, dass Anlagen in Schwellenländern eine gute Asset-Klasse sind. Das ist eine gute Vision. Außerdem habe ich hier alle nötigen Freiheiten, um die Fonds zu managen und zu vermarkten.