Rentenfonds-Experte Marktausblick Europa: Macron muss jetzt liefern!

Emmanuel Macron ist seit dem 14. Mai Staatspräsident Frankreichs. | © Getty Images

Emmanuel Macron ist seit dem 14. Mai Staatspräsident Frankreichs. Foto: Getty Images

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Geoffroy Lenoir, „Head of Euro Sovereign Rates, Mutual Funds“, bei der Londoner Fondsgesellschaft Aviva Investors

Am Abend des 7. Mai stieß das europäische Polit-Establishment einen kollektiven Seufzer der Erleichterung aus. Emmanuel Macron errang bei den französischen Präsidentschaftswahlen einen emphatischen Sieg und schlug die Front National Kandidatin Marine Le Pen mit 66 Prozent der Stimmen. Dabei widerstand er der Flut des populistischen Nationalismus, die den Kontinent zu überschwemmen drohte.

Macron ist Führer von En Marche!, einer Partei des politischen Zentrums, die er im Jahr 2016 gegründet hat, um Elemente der französischen Linken und Rechten zu vereinen. Als ehemaliger Wirtschaftsminister in der Regierung von François Hollande ist Macron im erstarrten politischen Prozess in Frankreich zunehmend frustrierter geworden und zählt als lautstarker Reformbefürworter.

Liberales Wirtschaftsmodell

Im Mittelpunkt seiner politischen Agenda steht ein liberales Wirtschaftsmodell, das die Fiskaldisziplin mit öffentlichen Ausgaben verbindet. Er will die Arbeitsgesetze flexibler machen, 120.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst kürzen und die Unternehmenssteuer von 33 auf 25 Prozent senken. Er plant aber auch, den Sozialstaat zu erweitern, um die Selbstständigen besser zu unterstützen und mehr Mittel für lebenslanges Lernen und Umschulungen für Arbeiter auszugeben, deren Arbeitsplätze für Automatisierung anfällig sind.

Auf Europaebene will er eine tiefere Integration der Eurozone und die Vollendung der Bankenunion. In seinen Plänen hätte der Währungsblock einen eigenen Finanzminister und wäre in der Lage, gemeinsame Anleihen auszugeben.

Es stellt sich die Frage: Ist Macron auch in der Lage zu liefern? Innenpolitisch wird viel von dem Ergebnis der Parlamentswahlen im Juni abhängen, wo En Marche! für jeden der 577 Sitze einen Kandidaten aufstellen wird. Im Ausland muss Macron eng mit Deutschland zusammenarbeiten und Brücken mit südeuropäischen Ländern, vor allem mit Italien, bauen, wo die euroskeptische Stimmung auf dem Vormarsch ist.

Märkte bleiben ruhig

An den Staatsanleihemärkten gab es nach dem Sieg Macrons keine großen Bewegungen, was darauf hindeutet, dass die Anleger in Bezug auf das Wahlergebnis gut positioniert waren. Wenn überhaupt, ist das Ergebnis noch deutlicher ausgefallen, als es Märkte und Umfragen erwartetet haben. Die französischen Wähler haben eine klare Botschaft gesendet: Sie lehnen extremistische Parteien ab und haben Macron ein Reformmandat erteilt.

Der wichtigste Punkt auf der Agenda des neuen französischen Präsidenten ist die Arbeitsmarktreform. Momentan haben nur Arbeiter, die entlassen werden, Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Macron will diese Unterstützung auch auf Unternehmer und Selbstständige ausweiten.

Zudem will er Unternehmen mehr Spielraum bei Arbeitszeitverhandlungen geben, was sowohl die Flexibilität und Dynamik des Arbeitsmarktes als auch das Wirtschaftswachstum ankurbeln soll. Auch die Unternehmenssteuer soll gekürzt und das Haushaltsdefizit reduziert werden, was von Staatsanleihe-Investoren begrüßt wird.