Rentenfonds-Manager Warum sich europäische High-Yields immer noch lohnen

Blick aus der Froschperspektive auf das Atomium in Brüssel: Die belgische Metropole ist Hauptsitz der Fondsgesellschaft Degroof Petercam Asset Management, die Hochzinsanleihen trotz zunehmender Volatilität als wichtige Ertragsquelle ansieht. | © Jarosław Miś

Blick aus der Froschperspektive auf das Atomium in Brüssel: Die belgische Metropole ist Hauptsitz der Fondsgesellschaft Degroof Petercam Asset Management, die Hochzinsanleihen trotz zunehmender Volatilität als wichtige Ertragsquelle ansieht. Foto: Jarosław Miś

Bernard Lalière, Senior-Portfoliomanager bei Degroof Petercam AM

Seit einigen Monaten ziehen die Marktzinsen in Europa leicht an. Naturgemäß reagieren Anleihen bei steigenden Zinsen mit Kursverlusten beziehungsweise steigenden Renditen. So verzeichneten zum Beispiel europäische Staatsanleihen bester Bonität seit November 2017 einen leichten Renditeanstieg. Deutlicher reagierten europäische Hochzinsanleihen, deren Bonität von den Rating-Agenturen mit BB+ oder darunter eingestuft wird.

Da davon auszugehen ist, dass die Marktzinsen in Europa weiterhin leicht anziehen, sollten sich die Spreads bei Hochzinsanleihen noch etwas ausdehnen. High-Yield-Investoren müssen mit einer höheren Volatilität, also einer insgesamt höheren Zinssensitivität rechnen. Wir erwarten allerdings keine Spreadausweitungen, wie wir sie in der letzten Rezession in 2011 gesehen haben. Dafür müssten die Unternehmensgewinne stärker nachgeben und die Verschuldungsquoten gleichzeitig höher sein. Insgesamt sehen wir keine typischen spätzyklischen Anzeichen.

Fundamentaldaten im Lot

Die sich ausweitenden Spreads, also der steigende Renditeabstand zwischen High-Yield-Bonds und Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität, führe ich in erster Linie auf das sich verändernde Zinsumfeld und das erwartete weitere Vorgehen der Europäischen Zentralbank hin. Demgegenüber bleiben die Fundamentaldaten bei europäischen High-Yield-Emittenten weiterhin sehr gut.

Wir sehen auf breiter Front solide Unternehmensergebnisse, während der Leverage gleichzeitig weiter sinkt. Auch der Zinsdeckungsgrad verbessert sich stetig. Wir gehen nicht von einer baldigen Zunahme der Ausfälle bei europäischen Hochzinsanleihen aus.

Spreu vom Weizen trennen

Gleichwohl kommt es bei Hochzinsanleihen umso mehr darauf an, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn die idiosynkratischen, also unternehmensspezifischen Risiken nehmen zu. Einige Unternehmen stehen trotz der guten Konjunktur vor Herausforderungen aufgrund ihrer operativen Struktur. Umso wichtiger wird daher der Blick auf die Geschäftsmodelle und insbesondere die Finanzierungsstrukturen sowie die Liquiditätsprofile.

In der Analyse dieser Faktoren liegt der Schlüssel, um attraktive Renditen im Hochzinsmarkt zu erzielen. Steigende Zinsen haben Einfluss auf die Refinanzierung der Kapitalstruktur und die Generierung freier Cashflows. Schwächer positionierte Unternehmen gilt es rechtzeitig auszusortieren.

Mehr Volatilität erwartet

Unternehmensanleihen mit einem BB Rating verzeichneten in den vergangenen Jahren stetige Zuflüsse. Die im oberen Bereich des High-Yield-Segments angesiedelten Papiere profitierten vom sogenannten ‚Tourist Money‘ von Investoren, die ihre Mittel aus dem bonitätsstärkeren Investment Grade-Segment umschichteten, um höhere Renditen abzuschöpfen.

Seit die Zinsen steigen zeigen sich mit BB bewertete Anleihen noch relativ robust. Doch zukünftig könnten sie deutlich zinssensitiver reagieren als in der Vergangenheit. Weil sich auch im Investment Grade-Bereich die Spreads wieder ausweiten, deutet alles darauf hin, dass viele Anleger das BB Segment verlassen und sich den bonitätsstärkeren Unternehmenspapieren zuwenden werden.

BB-Anleihen untergewichtet

Im DPAM L Bonds EUR Corporate High Yield (ISIN: LU0966248915) sind Anleihen mit BB-Rating aktuell untergewichtet. Attraktive Alternativen finden wir derzeit bei Anleihen mit einem B-Rating. Diese bonitätsmäßig schwächeren High-Yield-Papiere haben bereits eine deutliche Spreadausweitung hinter sich. Dementsprechend sind sie im Fonds gegenüber der Benchmark übergewichtet.

Insgesamt bleiben die Unternehmen in Europa positiv eingestellt gegenüber der Refinanzierung mittels Unternehmensanleihen – trotz tendenziell steigender Zinsen. Die Fundamentaldaten sind weiterhin gut und die Ausfallraten niedrig. Hochzinsanleihen bleiben wichtige Ertragsbringer im Niedrigzinsumfeld. Wegen der steigenden unternehmensspezifischen Risiken empfiehlt es sich aber, der Expertise erfahrener Fondsmanager bei der Einzeltitelselektion zu vertrauen.