Rentenfonds Neuer Frühling für Anleihen der Schwellenländer?

Akropolis über der griechischen Hauptstadt Athen: Auf die aktuelle Lage der Anleihen des südosteuropäischen Krisenstaats geht Ottmar Wolf von der Wallrich Wolf Vermögensmanagement gesondert ein. | © segovax / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Akropolis über der griechischen Hauptstadt Athen: Auf die aktuelle Lage der Anleihen des südosteuropäischen Krisenstaats geht Ottmar Wolf von der Wallrich Wolf Vermögensmanagement gesondert ein. Foto: segovax / pixelio.de

Ottmar Wolf, Wallrich Wolf Vermögensmanagement

Bei Anlagen in Schwellenländern (Emerging Markets, EM) wird die Wahrnehmung von Chancen und Risiken in hohem Maße von der Stimmung wichtiger Investorengruppen bestimmt. So gibt es Phasen, in denen eher die hohen Wachstumschancen, die gute Demografie und das Aufholpotenzial gegenüber den etablierten Volkswirtschaften im Vordergrund stehen und deshalb viel Kapital in die entsprechenden Regionen fließt.

Zu anderen Zeiten – wie eben jetzt – wird der Risikoseite dagegen eine sehr viel höhere Bedeutung beigemessen. Die oftmals unsichere politische Konstellation, die teilweise unterentwickelte Wirtschaft, das manchmal schlechte Bildungsniveau, die teils mangelhafte Infrastruktur und nicht zuletzt die starke Abhängigkeit von ausländischem Kapital rücken in den Vordergrund. Anlagegelder fließen ab, wobei sich auf den letzten Punkt bezogen „die Katze hier natürlich in den eigenen Schwanz beißt“.

Steigende Zinsen und Handelskonflikt

Stellt sich die Frage, warum die Stimmung in den letzten Monaten ins Negative gedreht hat? Als Auslöser Nummer eins ist sicherlich der Zinsanstieg in den USA zu nennen. Steigende US-Leitzinsen und in der Folge auch steigende Renditen für mittlere und längere US-Treasuries sind Gegenwind für die Emerging Markets. Die Schwellenländer sind stark in Dollar verschuldet und steigende US-Zinsen führen damit zu erhöhen Zinskosten vor Ort.

Gleichzeitig steigen die Opportunitätskosten. Amerikanische Staatsanleihen, die quasi als risikofreie Anlage gelten, werden zu einer immer attraktiveren Alternativanlage für Dollar-Bond-Investoren. Dies dreht die Kapitalströme um, also raus aus den Emerging Markets, rein in Treasuries. Der Dollar konnte so gegenüber den meisten Schwellenländerwährungen in 2018 deutlich aufwerten. Damit hat sich die Schuldenlast der Emerging Markets relativ zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) weiter erhöht – eine zusätzliche Bürde.

Abhängigkeit von der Weltkonjunktur

Auslöser Nummer zwei ist der aufkommende Handelskrieg, der das globale Wachstum schwächen wird. Die meisten Schwellenländer hängen sehr stark von der Weltkonjunktur ab und benötigen für ihr „Geschäftsmodell“ hohe Wachstumsraten, unter anderen um Kapital anzuziehen und den Wohlstand der eigenen Bevölkerung zu steigern.

Zusätzlich zu den allgemeinen Auslösern (US-Zinsanstieg und Handelskrieg) kommen bei einigen Ländern hausgemachte Probleme hinzu. Da es sich bei den Emerging Markets um eine sehr breite Gruppe mit völlig unterschiedlichen Situationen handelt, können diese sehr verschieden ausfallen.

Wirtschaftliche und politische Faktoren

Differenziert wird dabei in der Regel zwischen wirtschaftlichen und politischen Faktoren. Man spricht hier vom sogenannten „Länderrisiko“, bei dem es sich um eine Kombination aus der Zahlungsfähigkeit des jeweiligen Staates (wirtschaftliche Perspektive) und seiner Zahlungswilligkeit (unter anderen Bereitschaft zum Schuldendienst beziehungsweise zu Reformen) handelt.