AB-Rentenfondsmanager „Wer an den Index gebunden ist, könnte zukünftig Probleme bekommen“

DAS INVESTMENT.com: In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagspotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

Markus Peters: „Wir sehen einen Einbruch bei den Renditen europäischer Unternehmensanleihen. Seit sich die EZB dazu entschloss, Unternehmensanleihen in ihr Kaufprogramm aufzunehmen, hat dieser Trend zugenommen und die Anleihepreise nochmals nach oben schießen lassen.

Wer indexbasiert in europäische Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating anlegt, läuft die Gefahr in Anleihen zu investieren, die sehr teuer sind. Das Risiko ist recht groß, Verluste zu erleiden. Ein nicht unerheblicher Teil der Anleihen hat bereits eine negative Rendite, so dass ein positiver Ertrag von einem weiteren Preisschub durch die EZB abhängig ist. Das ist ein zerbrechliches Kartenhaus, das sich der Anleger auf diese Weise baut.“

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt?

„Ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank ist in diesem Jahr durchaus zu erwarten, insbesondere bei einem marktfreundlichen Ausgang der US-Wahlen. Auch im kommenden Jahr sollten die Zinsen weiter steigen, allerdings in sehr moderater Form.

Diese Zinsschritte können vor allem weiter Volatilität im Anleihemarkt mit sich bringen. Die Anleihenzinsen der US-Treasuries könnten dadurch etwas ansteigen, insbesondere da wir gleichzeitig einen moderaten Zuwachs bei der US-Inflationsrate erwarten. Grundsätzlich ist unser Ausblick für die US-Wirtschaft auch im kommenden Jahr solide, so dass eine leichte Normalisierung der Zinsrate durchaus angemessen ist. Eine ordentliche Wachstumsrate wiederum ist ein stützender Faktor für die Kreditaufschläge.“