Rentenmärkte Infrastrukturanleihen auf der Überholungsspur

Declan O’Brien, Senior Infrastructure Analyst bei UBS Asset Management: „In Europa beträgt das benötigte Kapital an Infrastrukturinvestment bis 2040 auf rund zwölf Billionen Euro.“ | © UBS Asset Management

Declan O’Brien, Senior Infrastructure Analyst bei UBS Asset Management: „In Europa beträgt das benötigte Kapital an Infrastrukturinvestment bis 2040 auf rund zwölf Billionen Euro.“ Foto: UBS Asset Management

Nicht nur in den Emerging Markets, auch in den Industrieländern besteht ein erheblicher Investitionsbedarf in Infrastruktur. In Europa schätzt die von den G20-Staaten gegründete Organisation Global Infrastructure Hub das benötigte Kapital bis 2040 auf rund zwölf Billionen Euro. Eine gewaltige Summe, die auch Chancen für institutionelle Investoren birgt, die einen langfristigen Anlagehorizont haben und in der aktuellen Niedrigzinsphase nach neuen Anlagemöglichkeiten mit stabilen Cashflows für ihr Fixed-Income-Portfolio suchen.

Änderungen durch neue Regularien

2016 hatte der europäische Markt für Infrastructure Debt ein Volumen von rund 142 Milliarden Euro. Nur ein kleinerer Teil davon entfällt auf börsennotierte Anleihen. Rund 100 Milliarden Euro sind privaten Finanzierungen zuzurechnen. Neue Regularien haben in diesem Bereich zu deutlichen Veränderungen geführt und die Aufmerksamkeit von Anlegern für dieses Segment erhöht. Vor etwa zehn Jahren wurde in Europa das langfristige Fremdkapital für Infrastruktur fast ausschließlich von Banken zur Verfügung gestellt, Kredite über 20 Jahre waren durchaus üblich. Auch jetzt finanzieren Banken noch, doch die Kreditlaufzeiten sind deutlich kürzer. Und die Banken holen oft institutionelle Investoren mit ins Boot. Versicherer profitieren zudem von einer vorteilhaften Behandlung von Infrastrukturinvestments unter Solvency II.

Geringe Anfälligkeit für Rating-Herabstufungen

Gegenüber Unternehmensanleihen – als klassischer Anlagealternative – bieten Infrastrukturkredite drei wesentliche Vorteile: niedrigeres Risiko, eine höhere Risikoprämie und gute Diversifikationseigenschaften. Eine Untersuchung der Rating-Agentur Moody’s zeigt, dass Unternehmensanleihen (ohne Bankpapiere) mit einem BBB-Rating einen deutlich höheren erwarteten Verlust über zehn Jahre aufweisen, als Infrastrukturkredite mit einem BBB-Rating. Aufgrund ihrer Struktur mit monopolistischen Eigenschaften und einer hohen Stabilität sind Infrastrukturkredite im Vorteil. Die hohe Stabilität zeigt sich auch im robusteren Kreditprofil mit einer geringeren Anfälligkeit für Rating-Herabstufungen. Einer langfristigen Moody’s-Analyse zufolge verfügen nach fünf Jahren noch 86 Prozent der BBB-Infrastrukturkredite und -anleihen über ihr Rating oder haben ihre Bonität sogar verbessert. Dieser Anteil liegt bei BBB-Unternehmensanleihen nur bei 62 Prozent.

Höhere Risikoprämie

Ein Vorteil ist auch bei der Rendite zu beobachten. Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen haben sich nicht zuletzt aufgrund der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank stark verengt. Dieser Rückgang hat das Investoreninteresse für andere Segmente wie private Infrastrukturkredite geweckt und hier die Spreads ebenfalls unter Druck gesetzt. Allerdings ist die Risikoprämie für Infrastrukturkredite immer noch deutlich höher als bei BBB-Unternehmensanleihen. Diese bessere Rendite liegt an der höheren Komplexität der Investments und der höheren Illiquidität.

Unabhängigkeit vom Wirtschaftszyklus

Das dritte Plus von Infrastrukturkrediten liegt in ihrer geringen Abhängigkeit von wirtschaftlichen Entwicklungen. Auch in einer Rezession braucht man Wasser, Elektrizität und andere Infrastruktureinrichtungen und -anlagen. Der Kauf einer Handtasche oder eines neuen Autos wird hingegen eher verschoben. Infrastrukturkredite können daher zur Diversifikation und zur Risikoreduzierung im Portfolio beitragen.

Mit eigener Strukturierungs-Kompetenz zu höheren Erträgen

Ein professionell gemanagtes Portfolio ermöglicht es, die Chancen des Marktes optimal zu nutzen. Es braucht ein Team von erfahrenen Strukturierungsexperten, um mit komplexeren Transaktionen möglichst gute Erträge zu erzielen. Haupttreiber für die Rendite im Infrastrukturbereich sehen wir bei UBS Asset Management aktuell im Auffinden aussichtsreicher Projekte und ihrer optimalen Strukturierung. Besonders hohes Potenzial bieten komplexe Transaktionen mittlerer Größe, deren Erträge nicht nur ein einfaches Verfügbarkeitsrisiko bergen. Diese Transaktionen spielen auch für die Archmore Infrastructure Debt Platform II (IDP II) eine wichtige Rolle. Der neue Fonds der UBS Asset Management verschafft institutionellen Investoren den Zugang zu einem maßgeschneiderten Portfolio aus Private-Debt-Investitionen mit Investmentgrade-Status, die Infrastrukturanlagen in europäischen Ländern finanzieren.

Fokus Kerneuropa

Für besonders interessant halten wir aktuell Kerneuropa. Hier schauen wir aber weniger nach den großen, von Banken strukturierten und vertriebenen Transaktionen, wo die Renditen bereits sehr niedrig sind. Wir setzen stattdessen unsere Sourcing- und Strukturierungs-Kompetenz ein und wählen gezielt Projekte aus, etwa der Kreditfinanzierung eines Ölterminals in Frankreich oder von Pflegeheimen in Belgien, mit denen wir ansprechendere Renditen erzielen können. Gute Möglichkeiten sehen wir zudem in nordischen Ländern sowie in Südeuropa und in Irland. In Großbritannien finden wir dagegen weniger interessante Anlagemöglichkeiten, was auch an der derzeit teuren Absicherung des Britischen Pfunds gegenüber der Fondswährung Euro liegt.