Rentenmarkt „Bei High-Yield-Anleihen ist Gefahr im Verzug“

Gregor Taraszow, Senior Portfoliomanager und Analyst für Hochzins-Unternehmensanleihen des Asset Managers Bantleon

Europäische High-Yield-Investoren können sich freuen: Seit Jahresanfang hat dieses Anleihensegment eine Performance von 5,1 Prozent erzielt. Für diese gute Entwicklung gibt es mehrere Gründe. An erster Stelle ist die brummende Konjunktur zu nennen, die sich durch Allzeithochs in den gängigen Indikatoren manifestiert.

Weiteren Rückenwind hat das Segment High-Yield durch den Verdrängungseffekt erfahren, den die EZB mit ihrem Kaufprogramm erzeugt hat. Ist doch der High-Yield-Markt deutlich kleiner als die Segmente Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen, weshalb bereits ein geringes Volumen an zusätzlichem Investorengeld reicht, um eine Verknappung zu erreichen und damit einhergehend tiefere Risikoprämien.

Rendite auf absolutem Tiefstand

Diese Entwicklung besteht schon länger – mit entsprechenden Folgen: Das positive Umfeld der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass in EUR denominierte High-Yield-Anleihen nicht nur absolut, sondern auch relativ sehr teuer sind. So handelte der Markt am 8. August mit einer Rendite unter Berücksichtigung von Kündigungsoptionen von 2,25 Prozent auf dem absoluten Tiefstand.

Die aktuellen relativen Risikoprämien über deutschen Bundesanleihen (282 Basispunkte) sind die zweittiefsten seit Juni 2007 (178 Basispunkte). Betrachtet man lediglich die erzielbare Rendite, dann handeln europäische High-Yield-Anleihen – mit zugegeben niedrigerer Laufzeit – auf dem Niveau zehnjähriger US-Staatsanleihen mit „AAA“ Rating!

Ausweichen auf risikoreichere Titel

Um eine attraktive Rendite erwirtschaften zu können, wichen Investoren schrittweise auf risikoreichere Rating-Klassen aus. Erschwerend kommt hinzu, dass der Anteil von Neulingen des europäischen Anleihenmarktes am Emissionsvolumen in den vergangenen Jahren drastisch gesunken ist: Während im Jahr 2013 noch fast 50 Prozent der Neu-Emissionen von Debütanten begeben wurden, ist diese Zahl inzwischen auf unter 20 Prozent geschrumpft.

Weil diese Kapitalmarktneulinge öfter ein schlechteres Rating haben, ist im selben Zeitraum der Anteil von emittierten Anleihen mit „BB“ Rating von etwa 25 Prozent auf fast 50 Prozent zulasten von „B“ Anleihen gestiegen. Anleihen mit „B“ Rating werden also immer seltener. Diese doppelte technische Verknappung hat sicherlich unterstützend gewirkt. Eine schöne Entwicklung, die sich aber nicht mehr lange fortsetzen dürfte.

Größenordnungen der Segmente und Verdrängungseffekt im Euroraum Quellen: Bloomberg, BofAML, Bantleon; Grafik: Bantleon

So schlagen zurzeit zwei Herzen in unserer Brust: Einerseits sind die konjunkturellen Daten (noch) gut und in unserem High-Yield-Allokationsmodell zeigen nach wie vor fast alle Ampeln auf Grün. Andererseits signalisieren unsere weiter in die Zukunft blickenden Frühindikatoren für die zweite Jahreshälfte eine Eintrübung der Konjunktur in der Eurozone. Die EZB dürfte wohl zur Unzeit im Januar 2018 mit einer Reduktion des Kaufprogramms beginnen, weshalb die genannte technische Seite etwaige Kursrückgänge im High-Yield-Markt verstärken könnte.

Mit diesem Chance-Risiko-Profil im Hinterkopf haben wir uns bereits defensiver ausgerichtet und empfehlen auch weiterhin eine defensivere Positionierung im noch starken Marktumfeld. Tritt nämlich das von uns prognostizierte Szenario ein, wäre selbst ein Rückgang der High-Yield-Jahresperformance von der aktuell hohen Ausgangslage von 5,1 Prozent zurück auf die Nulllinie denkbar. Dann wären die Gewinne seit Jahresanfang zerronnen.