Rentenmarkt Welche Unternehmensanleihen weiterhin Rendite bieten

Nur noch ein kleiner Teil europäischer Unternehmensanleihen, hier gemessen am Barclays Pan-European Aggregate Corporate Bond Index, bringt eine Rendite bis Laufzeitende von mehr als 2 Prozent (Grafik links). Die Duration, die das Kursrisiko bei steigenden Renditen misst, ist für mehr als die Hälfte der Anleihen länger als fünf Jahre (Grafik rechts). | © Bloomberg

Nur noch ein kleiner Teil europäischer Unternehmensanleihen, hier gemessen am Barclays Pan-European Aggregate Corporate Bond Index, bringt eine Rendite bis Laufzeitende von mehr als 2 Prozent (Grafik links). Die Duration, die das Kursrisiko bei steigenden Renditen misst, ist für mehr als die Hälfte der Anleihen länger als fünf Jahre (Grafik rechts). Foto: Bloomberg

Sichere Staatsanleihen und bonitätsstarke Unternehmensanleihen bringen in Europa kaum Erträge. Grund dafür ist unter anderem das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Doch statt die Inflation anzufeuern, sorgt sie für geringe Renditen in den Portfolios von Anleihe-Investoren. Nicht einmal die Abkürzung klingt harmlos: CSPP. Im Rahmen ihres „Corporate Sector Purchase Programme“ kauft die Europäische Zentralbank (EZB) seit dem 8. Juni 2016 Unternehmensanleihen. Dabei beschränkt sie sich auf Papiere aus dem Euroraum mit guter Bonität, also mit Investment-Grade-Rating. Woche für Woche erwirbt sie Anleihen im Volumen von bis zu 3 Milliarden Euro und pumpt so Liquidität in den Markt – mit dem Ziel, die Inflation anzufeuern.

Entweder Risiko oder gar nichts

Während auf diesem Feld die Erfolge bislang eher bescheiden ausfallen, hat die künstlich aufgeblähte Nachfrage jedoch eine ganz andere Wirkung: Der Unternehmensanleihe-Markt bringt im Durchschnitt kaum noch mehr als ein Prozent Rendite. Einige deutsche Unternehmen, wie zum Beispiel Daimler und BASF, können sich bereits nahezu zinsfrei Geld für fünf Jahre leihen. Die meisten deutschen Bundesanleihen haben inzwischen sogar eine negative Rendite. Aus unserer Sicht wird sich an diesem Szenario auf absehbare Zeit wenig ändern. In der EZB werden weiterhin die Tauben, also die Verfechter einer lockeren Geldpolitik , die Oberhand gegenüber den Falken behalten, die tendenziell Zinserhöhungen favorisieren. Die dadurch entstandene Zinsdürre hat bereits weitreichende Folgen in der Anlegerpsychologie ausgelöst: Entweder werden die vorhandenen Barbestände gar nicht mehr angelegt oder aber sie werden in risikoreichere Märkte, wie zum Beispiel Schwellenländeranleihen und Aktien, investiert. Der Druck auf europäische Anleihen erfordert aber einen differenzierten Ansatz, um noch ein akzeptables Niveau an Rendite zu erwirtschaften. Anstatt ausschließ- lich in Unternehmensanleihen mit guter

Bonität bei einer Durchschnittsrendite von einem Prozent zu investieren, kann das Ausnutzen des gesamten Spektrums eine deutlich attraktivere Lösung sein. Mit einer hochflexiblen Investmentstrategie, die die relative Sicherheit von Staats- und Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich um höher rentierliche Hochzins-Papiere ergänzt, lässt sich im derzeitigen Marktumfeld weiterhin eine Anleiherendite von rund 3 Prozent erzielen. Eine solche Strategie weist ein mittelfristiges Risiko auf, das dem des europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihe-Markts ähnelt.