Risikomanagement Leichte Inflation bedeutet Rückkehr zur Normalität

David Buckle, Head of Investment Solutions Design bei Fidelity | © Fidelity International

David Buckle, Head of Investment Solutions Design bei Fidelity Foto: Fidelity International

Herr Buckle, was war der Grund für den Kurssturz im Februar?

David Buckle: Auslöser waren die Löhne in den USA, die um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr kräftig gestiegen sind. Nur eine Zahl, die es aber in sich hat: Denn Vollbeschäftigung dürfte die Löhne nach oben treiben und damit den Konsum ankurbeln. Das könnte der Beginn eines beschleunigten Preisauftriebs sein. Bei einer Arbeitslosenquote von gerade einmal 4,1 Prozent waren deutliche Lohnzuwächse jedoch überfällig.

Eine Rückkehr der Inflation würde eine Rückkehr zu Normalität bedeuten. Und darunter verstehe ich Zinsen von 3,25 Prozent, eine Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von vier Prozent und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für die Firmen im S&P 500 Index – denn höhere Anleiherenditen heißen im Umkehrschluss niedrigere Aktienkurse.

Aber die Daten zu den Durchschnittslöhnen waren nur der Auslöser. Der Löwenanteil des Ausverkaufs ging auf das Konto von Trendfolge- und anderen quantitativen Hochfrequenzstrategien, allen voran Volatilitätsfonds. Einige wurden vom Hochschnellen der Volatilität derart heftig erfasst, dass sie schließen mussten und ihr gesamtes Kapital verloren.

Drohen weitere Verkäufe?

Buckle: Verglichen mit den letzten Jahren ist die Volatilität nun höher. Und das wird schon aus mathematischen Gründen auch so bleiben – egal, was in nächster Zeit an den Märkten passiert. Risikoparitätsfonds sind inzwischen überaus beliebt und werden nach meinen Berechnungen 15 Prozent ihrer Aktien abstoßen. Damit dürften sie gerade erst begonnen haben. Tatsächlich vermute ich, dass sie für die zweite Verkaufswelle an den Aktienmärkten am 8. Februar verantwortlich waren. Manche dieser Fonds handeln nur am Monatsultimo: Ende Februar könnte es daher zu vermehrten Schwankungen kommen.

Mit der höheren Volatilität haben sich zwar die Fundamentaldaten des Marktes geändert, die Fundamentaldaten der Unternehmen aber nicht. Daher könnten Value-Anleger wie ich eine gewisse Stütze für die Märkte sein. Bei meinen Gesprächen in der letzten Woche konnte ich keine Anzeichen von Angst bei aktiven Fondsmanagern erkennen. Das macht die Lage prekär und höchst unsicher zugleich – und zwar in beide Richtungen.

Was also ist zu tun?

Buckle: Ich habe jedenfalls am Dienstag, dem 6. Februar, von meinem Geld Aktien gekauft. Zuvor musste ich mit mir ringen: Kaufe ich Aktien und ihr Kurs fällt weiter, würde mich das schon ziemlich ärgern. Aber nicht so sehr wie die zweite Möglichkeit: Ich kaufe keine Aktien und ihre Kurse erholen sich. Lange hatten wir auf eine gute Kaufgelegenheit gewartet. Und nun, als sich eine bot, wollte ich sie auch nutzen.

Am 6. Februar hatten die Kurse kaum mehr als den im Januar gewonnenen Boden wieder abgegeben. Danach ging es jedoch weiter bergab. Dennoch lässt mich mein Verlust kalt, denn ich verspüre auch weiterhin Befriedigung über meine proaktive Reaktion auf die Kursentwicklung. Denken andere frühe Käufer ähnlich wie ich, ist die Talsohle möglicherweise schon bald erreicht.

Die Entwicklungen im Hochfrequenzhandel könnten einen Hinweis auf die Stimmungslage der Marktteilnehmer geben. Charttechnische Analysen sind daher momentan besonders wichtig.

Welche fundamentalen Entwicklungen könnten die Ereignisse künftig beeinflussen?

Buckle: Ich habe schon lange den Eindruck, dass die Löhne auch deshalb nicht richtig vom Fleck kommen, weil die Menschen kein Vertrauen in die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes haben. Zum ersten Mal seit der Krise hörte ich unlängst jedoch von Arbeitnehmern, die drohten, ihren Job zu kündigen, wenn ihre Lohnforderungen nicht erfüllt werden. Das halte ich für echtes Lohnwachstum. Allerdings sind die durchschnittlichen Stundenlöhne eine sehr schwankungsanfällige Datenreihe. Unsere Ökonomen geben daher zu bedenken, dass die Zahlen im nächsten Monat schon wieder niedriger ausfallen können. Schließlich mehren sich die Anzeichen, dass sich Amerikas Wirtschaft dem Ende dieses Konjunkturzyklus nähert.

Und selbst wenn die Einkommen steigen, heißt das meines Erachtens noch lange nicht, dass die Menschen mehr konsumieren, denn viele haben hohe Schulden angehäuft. Ich teile daher die Auffassung unserer Experten, dass sich die Inflation nicht wesentlich beschleunigen wird. In diesem Fall könnten sich drei Zinserhöhungen in diesem Jahr für die Fed als Herausforderung erweisen. Anleiherenditen von drei Prozent halte ich daher für attraktiv und würde auf diesem Niveau Anleihen kaufen.

Wer mir in der aktuellen Situation schon etwas Leid tut, ist der designierte Fed-Chef Jay Powell. Stabilisieren sich die Märkte in den nächsten Wochen nicht, steht ihm eine ungemütliche erste Pressekonferenz am 21. März bevor (im Februar findet keine Fed-Sitzung statt). Soll er die Zinsen im März nicht anheben, obwohl dieser Schritt im Januar signalisiert worden war? Diese Veranstaltung und die anstehenden Zahlen zur Verbraucherpreisinflation werde ich jedenfalls genau beobachten. Reine Wachstumszahlen interessieren mich weniger, ich konzentriere mich auf die Inflation.

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