Robecosam-Manager Pieter Busscher über das Zeitalter knapper Rohstoffe „Lithium profitiert von einem nachhaltigen Wachstumstrend“

Robeco-Manager Pieter Busscher

Robeco-Manager Pieter Busscher

DER FONDS: Rohstoffverknappung ist Ihr zentrales Anlagethema. Was muss man sich darunter vorstellen, welche Unternehmen fallen in diese Kategorie?

Pieter Busscher: Dieses Thema decken wir über vier Bereiche ab – fortschrittliche Materialien, transformative Materialien, Verfahrenstechnik sowie Automatisierung und Robotik. In diesen Segmenten gibt es jeweils spannende Unternehmen, die mit ihren Innovationen dazu beitragen, dass Ressourcen effizienter abgebaut und verarbeitet werden können. Insgesamt haben wir dafür weltweit knapp 400 Unternehmen auf dem Radar.

Haben Sie ein Beispiel parat?

Nehmen wir den Karbonfaser-Hersteller Hexcel aus den USA, einem Zulieferer der Flugzeughersteller Boeing und Airbus. Diese setzen das Material beim Bau der 787 und des A350 ein. Das trägt zu einem niedrigeren Treibstoffverbrauch bei. Daher beträgt der Anteil von Karbonfasern beim A350 beispielsweise mehr als 50 Prozent. Noch in den 70er Jahren hingegen war Aluminium der Hauptwerkstoff im Flugzeugbau.

Sie investieren aber durchaus auch in Minenbetreiber. Wo setzen Sie da aktuell den Schwerpunkt?

Eine wichtige Rolle im Fonds spielt der Rohstoff Lithium. Dieses Thema decken wir derzeit vor allem über Minenbetreiber wie den weltgrößten Lithium-Produzenten Albemarle ab. Auch für Unternehmen, die sich mit Speziallegierungen befassen, sehen wir Potenzial. Diese beiden strategischen Metalle zeichnen sich dadurch aus, dass die Nachfrage weniger zyklisch ist als bei klassischen Rohstoffen. Solche Werkstoffe profieren vielmehr von einem langfristigen Wachstumstrend.

Inwieweit macht sich das im Risikoverhalten gegenüber klassischen Rohstoff-Aktienfonds bemerkbar?

Das Risiko ist nachweislich deutlich niedriger, was sich unter anderem in einer für die Vergleichsgruppe niedrigeren Volatilität von derzeit 13,8 Prozent niederschlägt. Dies liegt daran, dass der Fonds aufgrund seiner Ausrichtung zyklischen Schwankungen weniger stark ausgesetzt ist als herkömmliche Fonds mit Fokus auf Rohstoffen.

Für wie substantiell halten Sie den derzeitigen Lithium-Hype?

Fest steht, dass Lithium unter anderen wegen der steigenden Nachfrage nach Elektroautos großes Potenzial bietet. Das unterstreichen auch die Aktivitäten der Autobauer: So bringt Tesla gegen Ende diesen Jahres das Modell 3 heraus, viele deutsche Hersteller verfolgen aggressive Wachstumspläne in diesem Bereich. Insofern sehen wir hier sehr wohl einen nachhaltigen Wachstumstrend.

Gibt es weitere Profiteure vom Thema Elektromobilität?

Davon profitieren auch Hersteller von leichten Werkstoffen wie hochfestem Stahl, Aluminium und eben Karbonfasern. Durch den verstärkten Einsatz dieser Materialien wollen die Hersteller das höhere Gewicht der Batterien kompensieren. Potenzial sehen wir daneben im Bereich Automatisierung. Denn die steigenden Lohnkosten führen dazu, dass entsprechende Prozesse zur Senkung der Fertigungskosten künftig verstärkt eingesetzt werden.

Wo sind Sie zuletzt eingestiegen?

Wir haben Aqua Metals ins Portfolio genommen. Das Unternehmen hat eine neue Technologie entwickelt, welche klassische Blei-Batterien günstiger und umweltfreundlicher recyceln kann als die Konkurrenz. Mit Johnson Control hat sich jüngst einer der weltweit größten Batterie-Produzenten an Aqua Metals beteiligt.