Robert Halver zum Handelskrieg Armageddon auf dem Aktienmarkt?

Robert Halver an der Frankfurter Börse: Der Strafzoll-Aufregung zum Trotz wird dem Börsenkenner zufolge ein Happy End folgen. | © Baader Bank

Robert Halver an der Frankfurter Börse: Der Strafzoll-Aufregung zum Trotz wird dem Börsenkenner zufolge ein Happy End folgen. Foto: Baader Bank

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Spielt der nächste Katastrophenfilm an den Aktienmärkten? Regisseure von Streifen wie „Independence Day“, „Deep Impact“, „The Day After Tomorrow“ oder „2012“ müssten in der Finanzwelt eigentlich jede Menge Material für einen neuen Untergangsfilm finden, der diesmal an den Aktienmärkten spielt. Tatsächlich, eine vermeintlich von bislang lieblich auf zukünftig grimmig gebürstete Geldpolitik trifft auf eine Weltgesamtverschuldung von rund 250 Billionen US-Dollar, also gut 60 Prozent höher als zu Beginn der Finanzkrise vor 10 Jahren.

Das riecht nicht nur nach finaler Schuldenkrise, es stinkt sogar danach. Aber richtig Schmackes für einen Horrorstreifen kommt durch einen bislang unbekannten Gruseleffekt. Nach Jahrzehnten der fortschreitenden Globalisierung und des Freihandels droht der handelspolitische Independence Day Amerikas. Dieser würde die Weltwirtschaft, Exportunternehmen und ihre Aktienkurse treffen wie die Erde bei einem Meteoriteneinschlag. Und in den Medien laufen ja bereits erste Werbetrailer für diesen Deep Impact. Kommt es an den Aktienmärkten also früher als später zum The Day After Tomorrow, zum Tag, an dem man den Aktien-Crash beobachten kann?

Aber langsam mit den apokalyptischen Reitern. Der Stoff für einen erfolgreichen Thriller ist manchmal dünner als eine Rindfleischsuppe aus Brühwürfeln. Aus dem erhofften Film-Oscar wird oft nur die Goldene Himbeere.

Geldpolitik bietet keine Thriller-Qualitäten

Sollen denn die Notenbanken, die 10 Jahre lang die unheilbar schuldenkranken Finanzmärkte auf ihrer Intensivstation gepflegt haben, jetzt die Maschinen ausschalten und den Patienten verenden lassen? Es sind doch nicht nur die Staaten, sondern auch die Privaten z.B. in Amerika bis Oberkante Unterlippe verschuldet. Dort befinden sich Kreditkarten-, Auto- und Studentenschulden auf Rekordniveau und das Olympische Motto „Schneller, Höher, Weiter“ wird weiter strikt verfolgt. Kein Wunder, denn der US-Arbeitsmarkt ist nur in nackten Job-Zahlen, aber nicht in Lohnqualitäten Spitze. Und wo kein Einkommen ist, müssen Kredite her.

Die US-Notenbank wird dieses Kredit-Doping nicht durch übermäßig scharfe Zinspolitik stören und ohne Not eine neue sozialschädliche Schuldenkrise provozieren. Das Gegenargument, dass die Fed ihre Leitzinsen doch bereits zum sechsten Mal erhöht hat, lasse ich nicht gelten. Denn betrachtet man den US-Leitzins nach Inflation, liegt er heute nicht nur niedriger als zu Beginn des US-Zinserhöhungszyklus im Jahr 2015, sondern ist sogar negativ. Das ist so wenig restriktive Zinspolitik wie der kalendarische bislang ein tatsächlicher Frühling war.

Und in Europa? Wer glaubt, dass Italien nach seiner Nationalwahl Finanzstabilität groß schreibt, glaubt wahrscheinlich auch an den Osterhasen. Die neue römische Regierung wird sich auf nichts, dafür aber auf viele neue Schulden zur Bewahrung des sozialen Friedens in Bella Italia einigen. Diese bringen das Land zwar in arge Finanznöte. Aber wo die Not am größten - so ein bekanntes europäisches Sprichwort - ist die EZB am nächsten. Auch beim Projekt einer verstärkten Europäischen Integration wird unsere Notenbank hilfreich wirken. Denn dieser grundsätzlich gute Begriff ist eher ein Synonym für neue europäische Schuldenfaszination.

So soll bei der angestrebten Fiskalunion – böse Zungen sprechen von Schuldenunion – mit einem eigenständigen dicken Budget für einen Euro-Finanzminister jedes Euro-Land einen gewissen Prozentsatz seiner Wirtschaftsleistung in den gemeinsamen Klingelbeutel werfen. Das können die meisten Euro-Staaten jedoch nicht aus eigener Finanzkraft stemmen. Dreimal dürfen Sie raten, wer hier dopt. An dieser Finanzierungspraxis würde 2019 selbst ein neuer EZB-Präsident mit Nachnamen Weidmann nichts ändern können. Ein Falke im EZB-Rat kann nicht für Stabilitätsreinheit sorgen, wenn die ansonsten dominierenden Tauben permanent etwas fallen lassen.