Robert Shiller forscht nach Warum der US-Aktienmarkt so teuer ist

Freut sich über den Applaus: Robert Shiller am 10. Dezember 2013, als er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. | © Getty Images

Freut sich über den Applaus: Robert Shiller am 10. Dezember 2013, als er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Foto: Getty Images

Robert J. Shiller hat nicht nur einen Nobelpreis im Schrank stehen – er ist auch Namensgeber des sogenannten Shiller-KGVs. Darin setzt man den Aktienkurs nicht nur mit dem aktuellen Gewinn pro Aktie ins Verhältnis (Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV). Vielmehr nimmt man den durchschnittlichen Jahresgewinn der vergangenen zehn Jahre. Das Ergebnis bezeichnet Shiller selbst als „zyklisch bereinigt“. Das liegt auf der Hand, denn ein wirtschaftlicher Zyklus dauert nur selten länger als zehn Jahre. Auf Englisch heißt das Ganze übrigens Cycle-Adjusted Price Earnings Ratio (Cape).

Die Barclays Bank berechnet regelmäßig die Shiller-KGVs für 25 Staaten und Europa. Die USA kommen Ende 2017 auf satte 30,9 – und liegen damit unangefochten an der Spitze, seit Jahren. Zum Vergleich: Russland liegt mit 7,2 am unteren Ende der Liste, Deutschland kommt auf 22,7 und Europa als Ganzes auf 22,3.

In einem Artikel auf www.project-syndicate.org untersucht er schließlich die Gründe dafür. Dabei verfranst er sich ein bisschen in (trotzdem hochinteressanten) Analysen, wonach sich Aktienkurse und Anleiherenditen richten.

Doch dann schließt er einen Trump-Effekt (benannt nach den vollmundigen Versprechungen des US-Präsidenten) kategorisch aus. Auch die geplante Steuerreform ist laut Shiller nicht schuld an den hohen Kursen. Schließlich liege das Shiller-KGV schon seit der zweiten Amtszeit von Trumps Vorgänger Barack Obama so hoch.

Stattdessen sieht Shiller den Grund darin, dass amerikanische Unternehmen weltweit überdurchschnittlich viele eigene Aktien zurückkaufen. Denn das verknappt das Aktienangebot künstlich und treibt den Kurs, ohne dass sich der Unternehmensgewinn verändert. Außerdem bemerkt Shiller in den USA eine „Furcht vor der Verdrängung von Arbeitsplätzen durch Maschinen“. Deren Kehrseite sei der größere Wunsch, „Kapitaleigentum in einem Land mit freiem Markt und Verbindung zu Computern zu besitzen“.

Worauf er hingegen nicht eingeht, ist der Anteil von Aktien in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge, zum Beispiel den 401(k)-Plänen. Denn der liegt seit Jahrzehnten in den USA viel höher als beispielsweise bei den Anti-Aktionären in Europa.

Und somit schränkt Shiller folgerichtig ein: „Es ist unmöglich, die Ursache der hohen Bewertungen am US-Aktienmarkt vollständig zu bestimmen.“ Aber schon der Versuch war definitiv aufschlussreich.