"Es fehlen die letzten 10 % an digitaler Technik" Robo-Advisor werden ihrem Namen nicht gerecht

Ralf Heim von Fincite (li.) und Nicholas Ziegert von W&Z Fintech sehen bei derzeitigen Robo-Advisor großen Verbesserungsbedarf | © Fincite / W&Z Fintech

Ralf Heim von Fincite (li.) und Nicholas Ziegert von W&Z Fintech sehen bei derzeitigen Robo-Advisor großen Verbesserungsbedarf Foto: Fincite / W&Z Fintech

Robo-Advisor werden jedoch heute den Erwartungen an ihren Namen nicht gerecht. Die sogenannten Robo-Advisor digitalisieren eher den Fondsvertrieb oder bestenfalls die vollstandardisierte Vermögensverwaltung, mit denen Kundengelder über Algorithmen gesteuert angelegt werden. Dies wird auch als „2nd Generation Robo Advice“ bezeichnet. In den meisten Fällen sind dies aufsichtsrechtlich Vermögensveraltungsstrukturen. Eine Beratung, auf dessen Basis der Kunde individuelle Anlageentscheidungen trifft, findet nicht statt.

Dabei hat moderne Technologie doch die Möglichkeit, Komplexität zu bewältigen. Wir können Konten und Depots mit wenigen Knopfdrücken digital erfassen, Vermögenswerte bewerten und so die Finanzlage des Kunden vollständiger und präziser in Sekunden erfassen als ein Finanzberater es in vielen Stunden erreichen könnte.

Warum sind wir dann noch so weit von wertvollen digitalen Beratungsprozessen entfernt?

Der Teilfortschritt – Warum wir auf einem guten Weg sind

Die ersten Gehversuche der Robo-Advisor sind bereits ein großer Mehrwert in einer Industrie, deren großer Digitalisierungsfortschritt noch aussteht.

Über optisch hochwertige Apps wird der Kunde nach seinen Anlagezielen und seiner Risikopräferenz befragt und kann seine Anlagesumme festlegen. Alles Weitere übernimmt die Anlagemaschine. Beispiele in Deutschland für solche Applikationen sind Scalable, Vamoo und Whitebox aus dem Fintech-Bereich und Robo-Advisor der Banken wie Cominvest, Easyfolio oder Warburg Navigator. 

Der Kunde muss nach der anfänglichen Befragung keine weiteren Entscheidungen mehr treffen. Der menschliche Vermögensverwalter wird durch eine Software ausgetauscht. Das Angebot ist oft transparenter und kosteneffizienter als die Offline-Alternative. Ein Aspekt, der bei sinkenden Renditen eine immer höhere Bedeutung erlangt.