Robotik, Automatisierung, Industrie 4.0 Wie Anleger in Roboter investieren können

Roboter: Deutsche Investoren sollten auch bei der Geldanlage auf Künstliche Intelligenz setzen. Das empfiehlt zumindest Thomas Buckard, Vorstand bei Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen. | © Dieter Schütz / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Roboter: Deutsche Investoren sollten auch bei der Geldanlage auf Künstliche Intelligenz setzen. Das empfiehlt zumindest Thomas Buckard, Vorstand bei Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Thomas Buckard, Vorstand bei Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF)

„Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle!“ – mit diesem drastischen und provokanten Bild beschreibt der deutsche Philosoph Richard David Precht in einem Interview mit dem Sender Deutschlandfunk die Konsequenzen der fortschreitenden Automatisierung für die Arbeitswelt. Ob es so schlimm kommt, sei einmal dahingestellt. Dass die Konsequenzen für die Gesellschaft und die Beschäftigungsverhältnisse weltweit gravierend sein werden, ist wohl unstrittig.

Produktivitäts- und Wohlstandswachstum wurden in der Vergangenheit immer durch innovative Technologien und Erfindungen gefördert. Erst war es die industrielle Revolution im 18. Jahrhundert, dann der Mobilitätsschub durch die Erfindung des Verbrennungsmotors und der Entwicklung des Flugverkehrs. Zuletzt war es der Eintritt in das Informationszeitalter des 20. Jahrhunderts.

Aktuell stehen wir auf der Schwelle der nächsten Revolution: Robotik, Künstliche Intelligenz und weitest gehende Automatisierung stellen nicht nur Gesellschaft, Politik und Wirtschaft vor enorme Herausforderungen, sondern auf der anderen Seite auch interessante Investitionsmöglichkeiten für chancenorientierte Anleger dar.

Einsatzfelder für Roboter

Der demografische Wandel mit rückläufigen Geburtenraten und steigender Lebenserwartung macht den Einsatz von Robotern unentbehrlich, um Produktivitätsverluste auszugleichen und den Pflege- und Unterhaltungsbedarf der älteren Bevölkerung zu decken.

In den vorigen Jahren ist die Effizienz von Robotern immens gestiegen, während die Kosten massiv zurückgingen. Laut Goldman Sachs amortisierte sich ein Industrieroboter noch in 2008 erst nach zwölf Jahren; bis 2015 reduzierte sich dieser Zeitraum auf nur noch zwei Jahre. Die Einsatzmöglichkeiten sind so vielfältig wie lukrativ: Schon lange in der Industrie, aber auch in der Medizintechnik, im Haushalt, in der Pflege, im Verkehr und im Konsum.

Wie in Roboter investieren?

Somit ist die Frage, ob Anleger in diesen Bereich investieren sollen, eher rhetorischer Natur. Denn das jährliche Wachstum in diesem Segment ist deutlich höher als das der Gesamtwirtschaft. Eher stellt sich die Frage nach dem Wie.

Der Investor hat die Wahl zwischen gemanagten Aktienfonds, die in den Bereich Robotik und Automatisierung investieren, und ETFs, die den Index für das Segment abdecken. Das Volumen in diesen Fonds liegt mittlerweile deutlich über 10 Milliarde Euro. Auch wenn der Glaube nichts an der Börse zu suchen hat: Der Anleger muss bei den deutlich höheren jährlichen Kosten für Aktienfonds mit aktivem Management (über 2 Prozent statt um 0,5 Prozent jährlich) schon fest daran glauben, dass es dem Fondsmanager gelingt, genau die wertvollen Perlen und Schätze zu finden, die den gesamten Robo-Markt auf Dauer schlagen.

Investment kein Selbstläufer

Auf Nummer Sicher geht, wer einen ETF von Gesellschaften mit guter Reputation kauft und damit auf das Segment als solches setzt. Hier sind die Risiken durch viele Einzeltitel sehr breit gestreut, kein Wert liegt hier bei einem Gewicht von 2 Prozent des Fondsvolumens. Eine Outperformance des Marktes ist somit selbstverständlich nicht möglich.

Auf der anderen Seite setzen die Verwalter der gemanagten Fonds Schwerpunkte auf einzelne Aktiengesellschaften, wobei dann der Anteil einzelner Positionen teilweise über 7 Prozent der Gesamtinvestitionen liegt. Das kann von Vorteil oder auch von Nachteil sein, je nachdem, ob deren Nasen gut oder schlecht waren. Womit wir wieder beim Glauben sind.

Über eines jedoch muss sich der Anleger im Klaren sein: Ein Selbstläufer ohne Aufregung und Stress ist eine solche Investition nicht: Auf lange Sicht hoch interessant, kurzfristig mag die Schwankungsintensität dieses Segments die Stressresistenz der Investoren auf eine harte Probe stellen. Doch wer hier einen langen Atem hat, kann zu den wenigen Passagieren gehören, die die Titanic-Geschichte heil überstehen…